Hershey-Ferrero/Cadbury
Persönliche Mischung

Angeblich bereitet Hershey zusammen mit Ferrero eine gemeinsame Offerte für Cadbury vor. Doch der bereits etablierte Bieter Kraft sollte sich nicht allzu bedrängt fühlen – und die Aktionäre von Cadbury sollten sich noch damit zurückhalten, eine Auktion im Aktienkurs vorwegzunehmen.
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Das Gespenst der Aufspaltung schwebte über Cadbury, seitdem Kraft Foods im September sein Interesse an dem britischen Süßwarenhersteller bekundet hatte. Jetzt hat sich Hershey, der amerikanische Rivale von Kraft, mit der italienischen Schokoladengruppe Ferrero zusammengetan, um genau dieses Projekt in Angriff zu nehmen, berichtet das "Wall Street Journal". Die Vorbereitungen lassen erahnen, wie nervös die Branche wegen der Wettbewerbsstärke ist, die von einer Verschmelzung von Kraft und Cadbury ausginge. Aber die Chancen stehen nicht günstig für Hershey und Ferrero, als Sieger aus einer möglichen Bieterschlacht hervorzugehen.

Es ist nicht klar, wie das Geschäft von Cadbury unter diesen beiden Unternehmen aufgeteilt werden soll. Die herkömmliche Branchenlogik, dass Hershey die schnell wachsenden Kaugummi-Bereiche übernimmt und das Segment Schokolade Ferrero überlässt, muss nicht unbedingt zutreffen. Cadbury könnte auch entlang geografischer Linien zerlegt werden. Auf jeden Fall würde die Komplexität, die eine Aufspaltung mit sich bringt, einen Abschlag bei den potenziellen Synergien rechtfertigen, die demnach nicht so umfangreich ausfallen könnten wie die jährlichen Vorteile über 625 Mill. Dollar, die Kraft in seinem Vorschlag prognostiziert. Das ist der erste Nachteil.

Das zweite Problem besteht in der Finanzierung. Ein Gebot zu fünf Prozent über dem derzeitigen Aktienkurs würde 11,3 Mrd. Pfund Sterling kosten. Hershey weist zwar geringe Verbindlichkeiten auf, aber die Bieter müssen wahrscheinlich in beträchtlichem Ausmaß Kredite - und Hershey vielleicht auch Eigenkapital - aufnehmen.

Wenn das Paar tatsächlich so weit kommt, ein Gebot vorzulegen, würde dies natürlich Kraft unter Druck setzen, seine eigene Bar- und Aktienofferte zu erhöhen. Aber wenn Hershey und Ferrero ihr Gemeinschaftsprojekt, nachdem es jetzt aufgeflogen ist, nicht zu Ende bringen, dann wird dies den taktischen Vorteil von Kraft nur noch verstärken, indem demonstriert wird, wie wenige alternative Bieter wirklich da draußen sind.

Die besten Erfolgschancen haben Hershey und Ferrero, wenn die eigenen Investoren von Kraft das Unternehmen daran hindern, sein derzeitiges Billiggebot zu erhöhen. Allerdings ist das Interesse des Duos an sich schon aufschlussreich. Ein Zusammenspiel von Cadbury mit Kraft würde dazu führen, dass die Nahrungsmittelproduzenten von drei Riesen beherrscht würden, wobei es sich bei den beiden anderen Giganten um Mars und Nestlé handelt. Es ist schwer vorstellbar, dass die kleineren Mitspieler wie Hershey, Ferrero und die schweizerische Lindt ernsthaft mit der kostengünstigeren Produktion und den massiven Distributionsmöglichkeiten dieser Megafirmen konkurrieren könnten. Die Cadbury-Auktion könnte ihre letzte Chance sein, als Käufer aufzutreten - bevor sie alle zu Verkäufern werden.

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