Hershey
Nicht süß genug

Hershey zieht eine Gegenofferte für Cadbury in Erwägung. Für eine Übernahme müsste der US-Süßwarenhersteller mindestens sechs Mrd. Dollar aufnehmen. Gleichzeitig würde der Hershey Trust die Kontrolle über die Gruppe behalten. Die Finanzierungsrechnung könnte zwar aufgehen. Allerdings sollten die Investoren umfassende Sonderkonditionen verlangen, bevor sie Hershey dafür Geld anvertrauen.
  • 0

Hershey benötigt 17 Mrd. Dollar, um die Offerte von Kraft für den britischen Süßwarenhersteller Cadbury zu übertrumpfen. Die US-Schokoladengruppe mit Kultstatus könnte die Mittel für das Vorhaben mit knapper Not zusammenbringen. Und sie könnte die Transaktion über die Bühne bringen, ohne dass die gemeinnützige Stiftung, die der Firmengründer ins Leben gerufen hatte, die Kontrolle verliert, wie der neue Rechner von Breakingviews.com bestätigt. Doch die Investoren wären schlecht beraten, wenn sie Hershey noch mehr Geld an die Hand geben würden, ohne dafür im Gegenzug eine Reihe von Sonderkonditionen zu verlangen.

Zunächst einmal sollte die Art und Weise betrachtet werden, wie Hershey einen Übernahmepreis finanzieren würde, der das Doppelte ihres Marktwerts beträgt - ohne dabei mit der Satzung zu kollidieren, die dem Milton Hershey Trust die Stimmrechtskontrolle über das Unternehmen einräumt, auch wenn die Stiftung nur eine relativ geringe wirtschaftliche Beteiligung inne hat.

Stattet man die zusammengelegte Gesellschaft mit Fremdkapital aus, das dem belastenden Fünffachen der durchschnittlich für 2010 geschätzten Ergebnisse vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen gleichkommt, dann könnte dies zu zusätzlichen Verbindlichkeiten über 10,6 Mrd. Dollar führen. Schokolade ist ein stabiles Geschäft, so dass vielleicht die Bank of America und JP Morgan geneigt sein könnten, eine derart hohe Verschuldung zu unterstützen, auch wenn dies den Deals nahe käme, wie sie vor der Krise - etwa beim Kauf von Anheuser-Busch durch InBev - üblich waren.

Um den Restbetrag zu finanzieren, könnte Hershey neue Aktien verkaufen oder sie den Cadbury-Aktionären als Ausgleich anbieten. Aber wenn die wirtschaftliche Beteiligung des Trusts unter 15 Prozent fallen würde, dann würden die Unternehmensbestimmungen dafür sorgen, dass dessen Class B-Mehrfachstimmrechtsaktien mit einem Pool regulärer Aktien verschmelzen wie ein Schokoriegel in der Sonne.

Wenn Hershey Aktien zu einem zehnprozentigen Abschlag gegenüber dem derzeitigen Aktienkurs verkaufen würde, müsste die Firma etwa 190 Mill. neuer Aktien begeben, um die für einen Cadbury-Deal zusätzlich benötigten sechs Mrd. Dollar einzusammeln. Damit würde die wirtschaftliche Beteiligung des Trusts zwar von 32,1 Prozent auf 17,5 Prozent verwässert, läge aber immer noch über der Schwelle, die notwendig ist, um die duale Aktienstruktur aufrecht zu erhalten.

Und selbst nachdem all diese Aktien emittiert wurden, würde der Trust immer noch 64 Prozent der Stimmrechte von Hershey kontrollieren. Das dürfte Anklang beim Stiftungsvorstand und den Lokalgranden finden, die ein global tätiges, schlagkräftiges Schokoladenhaus mit Sitz in Pennsylvania begrüßen würden.

Doch ein die Rechtsform transformierender Deal, der die Kontrolle des Trusts aufrechterhalten würde, sollte bei den anderen Aktionären Widerspruch wecken. Schließlich hat sich die Stiftung bisher nicht gerade darum verdient gemacht, deren Interessen zu schützen. Im Jahr 2002 hatte Hershey - mit der Unterstützung des Trusts - bekanntermaßen eine Offerte über 89 Dollar je Aktie von Wm. Wrigley Jr. zurückgewiesen. Der Aktienkurs von Hershey kam nie mehr auch nur in die Nähe dieses Niveaus.

Im gleichen Jahr hatte es die Gruppe versäumt, den Kaugummibereich Adams von Pfizer zu kaufen - er ging an Cadbury. Und vor nur zwei Jahren ließ Hershey die Chance ungenutzt verstreichen, mit Cadbury zu fusionieren. Ein Abschluss zum damaligen Zeitpunkt hätte wohl dieselben strategischen Vorteile mit sich gebracht, nur dass damals kein Aufschlag zu zahlen gewesen wäre.

Alles in allem ist nur schwer einzusehen, warum die Investoren von Hershey eine Transaktion unterstützen sollen, die ihnen nur eine höhere Verschuldung, nicht aber ein Mehr an Einfluss im Vorstandszimmer einbringt. Dafür ist Cadbury als Belohnung einfach nicht süß genug.

Kommentare zu " Hershey: Nicht süß genug"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%