Hilfspaket
Frankreichs Oligarchen hoffen auf Sarko

Nicolas Sarkozy ist bekennender Anhänger des französischen Familien-Kapitalismus. Über die Jahre hat er sich zahlreiche Top-Unternehmer des Landes zum Freund gemacht. Einige von ihnen waren einst weise genug, ihn als Anwalt zu engagieren, als seine politische Fortune ihn verlassen hatte.

Nun wünscht sich Frankreichs Oligarchenclique, Sarko möge den Gefallen in Form eines starken Wirtschaftshilfepakets zurückzahlen. Denn ihre Unternehmen leiden stark unter dem Abschwung. Noch schlimmer trifft es ihre Aktienwerte, die in diesem Jahr um mehr als 55 Prozent gefallen sind.

Nach breakingviews-Berechnungen haben die Familien an der Spitze von Frankreichs höchstnotierten Firmen – sie konstituieren den CAC40-Index –seit Januar zusammen über 23 Milliarden Euro verloren. Mehr als 80 Prozent der Verluste betreffen die drei großen französischen Luxusgüter-und Kosmetikkonzerne.

Bernard Arnault, Besitzer und Lenker des Champagner- und Taschen-Imperiums LVMH, blickt auf ein Finanzloch von beinahe acht Milliarden Euro (nicht eingerechnet sind seine kleineren, nicht börsennotierten Tochterfirmen). Eine Milliarde Verlust gehen dabei auf das Konto der unglückseligen Carrefour-Investition. Lilliane Bettencourt, der 30 Prozent am Giganten L’Oréal gehören, hat mehr als sechs Milliarden verloren. Und das Privatvermögen François Pinaults, des Eigners an der Spitze des Einzelhandels-, Schuh- und Luxuskonzerns PPR, ist seit Anfang Januar um 4,4 Milliarden geschrumpft.

Dazu kommen die verlorenen 2,5 Milliarden der Familie Peugeot, deren Anteil am Autobauer noch 30 Prozent beträgt, sowie der 1,8- Milliarden-Schwund der Bauunternehmer-Familie Bouygues. Auch die Ricards (Pernod-Ricard), die Michelins (Reifen) und Arnauld Lagardère an der Spitze des gleichnamigen Verlags- und Rüstungsmittelkonzerns mussten empfindliche Verluste einstecken.

Dennoch wirken die französischen Beträge wie Kleingeld gegen die Verluste von russischen Magnaten wie Wladimir Lisin, der seit Mai 2008 mehr als 20 Milliarden Euro verloren hat.

Noch sind die Franzosen nicht aus dem Schneider, denn der Großteil ihres Vermögens liegt in Konsumgüter-Unternehmen, denen ein mageres Jahr bevorsteht. Selbst die Hoffnung auf das Geschäft in neuen Märkten wie China wurde in jüngster Zeit gedämpft: sogar in Shanghai wird man sich die eine oder andere 1000-Euro-Handtasche verkneifen müssen.

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