Hotelbranche
Hyatts mutiger Börsengang:

Die Chicagoer Familie Pritzker will ihre Hotelkette für 1,15 Milliarden US-Dollar an die Börse bringen. Vor dem Hintergrund der angeschlagenen Hotelleriebranche wirkt das Vorhaben auf den ersten Blick mutig. Aber Hyatt braucht Kapital und Hotelaktien laufen gegenwärtig gut.
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Auf den ersten Blick scheint die Pritzker-Familie eine sonderbare Zeit gewählt zu haben, um die Hyatt-Hotels an die Börse zu bringen. Der Hotelkonzern, der 1982 von der Chicagoer Familie aufgekauft und privatisiert wurde, beantragte vor Kurzem die Börsenzulassung für Aktien im Wert von 1,15 Milliarden US-Dollar, ein Volumen also, das Hyatt in diesem Jahr zur größten Neuemission in den USA machen würde. Vor dem Hintergrund der schwächelnden Hotelindustrie wirkt das Vorhaben mit Sicherheit mutig. Aber die Pritzkers könnten Recht behalten, wenn sie jetzt mit alten Börsenweisheiten brechen und ihr Vorhaben einfach durchziehen.

Es stimmt schon, dass Sparmaßnahmen der Unternehmen bei Premiumreisen und rezessionsbedingte Rückgänge bei den Freizeitausgaben die Belegungsquoten der Hotels stark in Mitleidenschaft gezogen haben. Die Umsätze pro verfügbarem Zimmer, eine Schlüsselkennzahl der Branche, fielen im ersten halben Jahr 2009 um 23 Prozent gegenüber der gleichen Vorjahresperiode. Für das Gesamtjahr 2009 prognostiziert das Marktforschungsunternehmen PhoCusWright einen Rückgang der Dienstreisen um 15 Prozent in den USA. Bei Hyatt fielen die Umsätze in der ersten Jahreshälfte um 19 Prozent.

Und dennoch hat das Unternehmen, das 1957 von Jay Pritzker mit dem Kauf des an den Flughafen Los Angeles grenzenden Hyatt House Motels ins Leben gerufen wurde, einige gute Gründe jetzt an den Markt zu gehen. Erstens wird die 413 Hotels umfassende Kette in ihre Häuser investieren wollen, ohne die Bilanz zu schwächen. Das Unternehmen konnte seinen Schuldenstand in den letzten sechs Monaten zwar um die Hälfte auf nunmehr etwas über 595 Millionen US-Dollar reduzieren. Aber durch den Druck, der auf den Einnahmen lastet, dürfte ein etwas höheres Betriebskapital erforderlich sein. Tatsächlich befindet sich zum Beispiel auch Konkurrent Hilton Hotels gegenwärtig inmitten einer Phase der finanziellen Neuordnung, in der die Schulden umstrukturiert werden sollen, die mit der Privatisierung des Hauses durch Blackstone im Oktober 2007 entstanden sind.

Auch einige der Hyatt-Aktionäre werden Barmittel brauchen, wobei das Unternehmen bis heute noch nicht bekanntgegeben hat, wie hoch die Anteile junger und bereits existierender Aktien an der Emission sein werden. Vor zwei Jahren verkauften die Pritzkers einen 14-Prozent-Anteil für eine Milliarde Dollar an Private-Equity-Unternehmen, darunter Goldman Sachs und Madrone. Für sie ist es nur folgerichtig, wenn sie an einer Liquidierung ihrer Anteile interessiert sind, auch wenn sie damit rechnen müssen, dass sie ihr Investment mit Verlust abschließen. Die Pritzkers - die sich jahrelang über das Familienvermögen gestritten haben - könnten ebenso einen Vorteil darin sehen, jetzt einen öffentlichen Markt für ihre Aktien zu finden.

Eine Neuemission könnte auch den Milliardärsstatus der Pritzkers festigen. Der Konkurrent Marriott International wird an der Börse zum etwa 10,5-fachen seiner zurückliegenden 12-Monats-Gewinne vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern (EBITDA) gehandelt. Rechnet man bei Hyatt mit dem gleichen Vielfachen, so ergibt sich aus dem Hyatt-EBITDA von 480 Millionen Dollar nach Abzug aller Schulden ein Börsenwert von rund 4,5 Milliarden Dollar. Der Pritzker-Anteil daran: rund 3,8 Milliarden.

Und schließlich zeigten Hotelaktien in jüngster Zeit Stärke, trotz der Branchenprobleme. Die Aktien von Starwood, dem Betreiber der schicken W-Kette, konnten sich seit März nahezu verdreifachen. Marriott stiegen immerhin auf das Doppelte. Ja, Hyatt war wahrscheinlich vor ein oder zwei Jahren noch doppelt so viel wert, wie die Kette heute mit einem Börsengang erzielen kann. Aber jetzt darauf zu warten, dass die Bewertungen wieder Boom-Niveau erreichen, wäre dumm. Heute schon einen kleinen Teil von Hyatt zu verkaufen, scheint genau die richtige Entscheidung.

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