HP/3Com
Grenzkonflikte

Durch den 2,7 Mrd. Dollar schweren Kauf von 3Com nimmt HP mitten im Revier von Cisco Aufstellung. Zuvor hatte Cisco seinerseits HP im Server-Bereich den Kampf angesagt. Weitere Deals lassen darauf schließen, dass die traditionellen Grenzverläufe im Technologiesektor nicht mehr gelten. Die Schlacht kann beginnen.
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Vor nicht allzu langer Zeit bestand das Technologiegeschäft aus einer Reihe von Silos, in denen Dutzende, wenn nicht Hunderte von Firmen untereinander den Kampf um die Oberhoheit ausfochten. Aus diesen Scharmützeln gingen einige wenige Giganten auf ihren speziellen Gebieten hervor. So dominierte zum Beispiel Cisco die Netzwerke und Oracle beherrschte das Geschäft mit den Datenbanken. Da ihre Kernbereiche nun aber herangereift sind, machen sich diese Riesen daran, die Frontlinien zu überqueren.

Der Kauf von 3Com durch HP für 2,7 Mrd. Dollar ist nur die jüngste Salve, die im Zuge dieser sich abzeichnenden Grenzverwischungen im Land der Technologie abgefeuert wurde. Die Akquisition des Herstellers von Routern und Schaltstellen für den Datenverkehr ist der bisher aggressivste Vorstoß von HP auf das Herzstück von Cisco. Natürlich ist es wohl so, dass Cisco auf diesem Feldzug den ersten Schuss abgegeben hat, als sich das Unternehmen im März auf den Server-Markt gestürzt hat, auf dem sich vor allem HP und IBM seit langem tummelten.

Doch die Schlacht ist nicht nur auf diese Firmen begrenzt. Oracle, der Hersteller von Unternehmenssoftware, kündigte im April an, für 7,5 Mrd. Dollar in bar Sun Microsystems übernehmen zu wollen. Damit hat Oracle Sun nicht nur den Fängen von IBM entrissen. Oracle-Chef Larry Ellison markierte mit dem Schritt auch seinen Einzug in das Hardware-Geschäft, wodurch er es direkt mit HP aufnimmt. Selbst Beobachter wie Dell und Xerox wurden in diesem Jahr von den sich ausweitenden Gefechten erfasst - sie zahlen jeweils 3,9 Mrd. und 6,4 Mrd. Dollar für Perot Systems und ACS. Sie müssen sich jetzt unmittelbar an IBM und HP messen.

Was steckt hinter diesen Feindseligkeiten? Nach wie vor werden elektronische Geräte immer billiger und funktional gleichzeitig besser, Technologie wird immer mehr zur Massenware. Gleichzeitig schrumpfen die Budgets der Unternehmen für Informationstechnologie - nach Berechnungen von Gartner dürften die weltweiten Aufwendungen in diesem Jahr um vier Prozent sinken. Um mit diesen Dämpfern fertig zu werden, dringen die Technologiefirmen in die jeweiligen Reviere der Konkurrenten vor. Sie hoffen auf Extra-Einnahmen und möglicherweise höhere Margen, indem sie zusätzliche Waren und Dienstleistungen miteinander koppeln.

Wie gut all diese Manöver funktionieren werden, ist nicht klar. Strategien, die von Fusionen und Akquisitionen abhängen, schlagen oft fehl, und Technologiefirmen zu integrieren, ist bekanntermaßen schwierig. Daher besteht die beste Strategie möglicherweise darin, die Invasoren willkommen zu heißen und zu verkaufen - selbstverständlich zu einem üppigen Aufschlag für die Aktionäre.

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