HSBC-SIVs
In der Zwickmühle

HSBC nimmt Vermögenswerte aus Investmentvehikeln für strukturierte Produkte über 35 Mrd. Dollar in die eigene Bilanz herein. Damit geraten die Konkurrenten in eine Zwickmühle. Wenn sie dem Beispiel der britischen Bank nicht folgen, geben sie quasi zu, mit ihren SIVs – oder ihren Bilanzen – größere Schwierigkeiten zu haben.

Die Möglichkeiten für HSBC, ihre zwei Investmentvehikel für strukturierte Produkte (SIVs) zu retten, waren alle nicht sonderlich attraktiv. Jetzt hat sich die britische Bank dafür entschieden, in den SIVs verankerte Vermögenswerte über 35 Mrd. Dollar in die eigene Bilanz zu übernehmen. Damit hat sie einen klugen und einfachen Ansatz gewählt - und zugleich den Konkurrenten den Fehdehandschuh hingeworfen.

Der Schritt ist sicherlich besser, als Vermögenswerte mit Verlust zu verkaufen oder auf eine Erholung der Kreditmärkte zu hoffen, bevor die Finanzierung der SIVs Anfang des kommenden Jahres ausläuft. Und die Initiative ist besser, als darauf zu warten, bis der oft propagierte Super-SIV Notfinanzierungen herauslegt. HSBC hat ihr Finanzierungsdilemma mit einem Streich gelöst, ihre SIV-Investoren besänftigt und die Gefahr für ihren Ruf oder vielleicht gar das Risiko eines Rechtsstreits vermindert.

Jetzt sind aber die Konkurrenten von HSBC in eine knifflige Lage geraten. Ihre sich lang hinziehenden Überlegungen zur Einrichtung eines Super-SIV haben kein allzu schlechtes Licht auf sie geworfen, solange alle noch im selben Boot saßen. Ein Ausreißer konnte ja noch abgeschüttelt werden – die WestLB zum Beispiel hat für die Finanzierung eines ihrer SIVs bereits etwas springen lassen – aber bei zweien sieht die Sache schon anders aus, besonders wenn ein großer SIV-Finanzierer wie HSBC beteiligt ist.

Wenn andere Banken jetzt dem Beispiel von HSBC nicht folgen, geben sie quasi zu, dass ihre Probleme tiefer gehen und es sich nicht nur um eine durch Angst ausgelöste Liquiditätskrise handelt. Die Entscheidung von HSBC zeigt ihr Vertrauen in die Kreditqualität ihrer SIV-Vermögenswerte – gerade einmal fünf Prozent waren in CDOs, also in Wertpapieren, die mit einem Pool von Anleihen, Krediten und anderen Vermögenswerten unterlegt sind, oder in US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität investiert. Andere Institute könnten dem Giftmüll viel stärker ausgesetzt sein – und ihre Unterstützer werden auf der Hut sein, um nicht darauf sitzen zu bleiben.

Es gibt andere Gründe, warum die Banken ihre SIVs vielleicht nicht in den Schoß der Gemeinde zurückführen wollen. HSBC verfügt, trotz all ihrer Abschreibungen in diesem Jahr, immer noch über eine starke Bilanz. Ihre Eigenkapitalquote der Kategorie 1 liegt bei etwa neun Prozent. Auch SG und Citigroup stehen mit jeweils rund 7,5 Prozent wohl kaum auf Messers Schneide. Aber sie werden vielleicht noch weitere Verluste aus CDOs, die bereits in ihrem Besitz sind, hinnehmen müssen. Dann noch instabile Vermögenswerte aus ihren SIVs hereinzunehmen, würde ihre Schmerzen nur verschlimmern.

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