Hypo Real Estate: Noch ein deutscher Skalp

Hypo Real Estate
Noch ein deutscher Skalp

Die Probleme der Hypo Real Estate mit CDOs sind zwar nicht so lebensbedrohlich wie die Verluste, die die IKB im vergangenen Sommer erlitten hat. Aber sie werfen kein gutes Licht auf das Management des Immobilienfinanzierers. Entweder wussten die Verantwortlichen über die Risiken der schädlichen Kreditprodukte Bescheid und haben sie ignoriert. Oder sie haben die Instrumente nicht verstanden.

Das große CDO-Debakel hat einen weiteren deutschen Skalp gekostet. Collateralised Debt Obligations, kurz CDOs, sind Wertpapiere, die mit einem Pool von Anleihen, Krediten und anderen Vermögenswerten unterlegt und mit unterschiedlichen Kreditrisiken ausgestattet sind. Sie wurden im Zuge der Krise um US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität („Subprime“) schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Der Subprime-Schlag, den die Hypo Real Estate einstecken musste, ist sicher nicht so lebensbedrohlich wie der, den die IKB im vergangenen Sommer erlitten hat. Aber der Vorgang wirft kein gutes Licht auf das Management des deutschen Immobilienfinanzierers. Entweder kannten die Verantwortlichen die Risiken der schädlichen Kreditprodukte und haben sie ignoriert. Oder sie haben sie nicht verstanden.

Die Bank, die 2007 mit dem irisch-deutschen Staatsfinanzierer Depfa fusioniert hatte, wird 390 Mill. Euro ihres CDO-Engagements über insgesamt 1,5 Mrd. Euro abschreiben. Der Verlust nach Steuern wird bei 295 Mill. Euro erwartet. Zudem wurde die Dividende um zwei Drittel gekürzt und die Bank geht – “abhängig von den Marktbedingungen” – von einer Verringerung der Gewinne für 2008 um etwa 20 Prozent aus.

Für ein Institut, das sich über den Kapitalmarkt finanziert und auf dem US-Immobilienmarkt aktiv ist, hätten die Schwierigkeiten nicht überraschend kommen sollen. Und doch scheinen sie das Management der Hypo Real Estate auf dem falschen Fuß erwischt zu haben. Bei der Vorlage der Drittquartalsergebnisse im Oktober hatte der Vorstandsvorsitzende des Immobilienfinanzierers, Georg Funke, mit besonderem Nachdruck jegliche negativen Auswirkungen auf die Gewinnziele ausgeschlossen, obwohl sich das Ausmaß der Subprime-Krise damals schon abgezeichnet hatte.

Der Vertrauensverlust der Investoren hatte ohnehin schon eingesetzt. Die Aktien des Instituts waren von 55 Euro im zweiten Quartal 2006 auf etwas unter 35 Euro kurz vor der Veröffentlichung gefallen. Am Dienstag gaben die Titel dann noch einmal um 35 Prozent nach. Darin drückt sich sowohl der Ärger der Anleger aus, in die Irre geführt worden zu sein, als auch die Besorgnis, dass das Dividendenniveau von 2006 wohl so schnell nicht mehr erreicht werden wird.

Die niedrigere Dividende sieht angesichts der härteren Zeiten auf den Finanzmärkten realistisch aus. Selbst angesichts des geringeren Abflusses hat die Rating-Agentur S&P die Aussichten für die Hypo Real Estate auf negativ nach vorher stabil abgestuft. Die Kernkapitalquote der Bank von 5,5 Prozent – die durch die Akquisition der Depfa über 5,6 Mrd. Euro gedrückt wurde, – ist knapp bemessen. Die Möglichkeiten der Refinanzierung über den Geld- und Kapitalmarkt sind rar geworden, deshalb werden mehr Kredite in der angespannten Bilanz der Bank landen. Und die Hypo Real Estate hat immer noch CDOs über eine Mrd. Euro in ihren Büchern.

Funke sagt, es gebe eine Menge günstige Gelegenheiten auf dem derzeit ungeordneten Markt. Die Bank freue sich auf höhere Gewinnspannen. Aber nach der Überraschung vom Dienstag, wird es den Investoren schwerer fallen, ihm Glauben zu schenken.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%