Hypotheken
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Das Modell „Erfinde und vertreibe“ hat für die Banken gut funktioniert - bis die US-Hypothekenkrise zugeschlagen hat. Einige der Banken hoffen vielleicht darauf, dass sie selbst damit anfangen können, Hypotheken zu finanzieren. Aber ihre Möglichkeiten sind eingeschränkt.

Wer jetzt in den USA ein Haus kaufen will, hat es schwer, eine Hypothek dafür aufzutreiben. Das kann nicht wirklich überraschen – es gibt nur wenige, die sich dem taumelnden Immobilienmarkt aussetzen wollen. Aber selbst wenn die Kreditkrise zu einem Ende gekommen sein wird, könnte es immer noch schwierig sein, an Hypotheken heranzukommen. Das Modell des „Erfinde und vertreibe“ der Banken liegt nämlich in Scherben. Und es ist schwer vorstellbar, dass sie die Uhr zurückdrehen und selbst in großem Umfang Hypotheken finanzieren werden.

Daran sind vor allem US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität schuld. Nicht mehr als eine Hand voll Firmen legt noch Subprime-Kredite heraus. Vor gerade einmal einem Jahr waren es noch hundert oder mehr, die den Markt bevölkerten. Und wachsende Ausfälle haben einen großen Teil des Sockels, auf dem der Motor für Hypothekenverbriefungen gestanden hatte, untergraben. Das betrifft die Glaubwürdigkeit der Modelle für die Festsetzung der Preise und für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit, die Einschätzungen der Marktliquidität und überhaupt die Prämisse, dass die Senior-Sub-Struktur, also das Verhältnis zwischen vorrangigen und nachrangigen Krediten, einen angemessenen Kreditschutz leisten kann.

Abgesehen davon, sollten Immobilienkredite besserer Qualität gut aussehen – Ausfälle von Hypothekentiteln erstklassiger Bonität wurden tatsächlich noch nicht verzeichnet. Das Problem ist, dass die Investoren, da sich die Subprime-Schwierigkeiten in eine weiter reichende Krise ausgewachsen haben, nun kaum noch bereit sind, sich überhaupt Hypotheken auszusetzen. Zum Teil ist aus diesem Grund in Europa in der vergangenen Woche der Markt für Covered Bonds- eine Variante der deutschen Pfandbriefe - zum Stillstand gekommen, auch wenn das Ausfallrisiko bei Hypotheken in der Regel immer noch die Banken trifft.

Darüber hinaus stehen Fannie Mae und Freddie Mac, die beiden größten Käufer von Hypotheken, vor Kapitalzwängen - Freddie Mac hat in jüngster Zeit netto sogar mehr Hypotheken verkauft als gekauft. Die Besorgnis darüber wächst, ob die Federal Home Loan-Banken in der Lage sind, das Geschäft der Hypothekenurheber zu finanzieren. Nimmt man dazu noch den Druck, der auf den Firmen lastet, die Hypotheken-Bonds versichern, dann sind die Aussichten für die Hypothekenvergabe düster.

Natürlich könnten die Banken, Sparkassen und Finanzgesellschaften wieder zu der alten Methode zurückkehren und die Kredite in ihren eigenen Bilanzen halten. Aber dazu ist die Bereitschaft der Banken in den vergangenen zehn Jahren eklatant zurückgegangenen. Dieses Geschäft wurde durch Verbriefungen und durch Investmentvehikel, die außerhalb der Bilanz laufen, aufgesaugt. Für die Banken war das ein wahrer Segen: Sie brauchten viel weniger vorgeschriebenes Kapital, konnten mehr Kredite vergeben und in schneller wachsende, auf Gebühren basierende Geschäftssegmente investieren. Die Idee, dass sie plötzlich damit anfangen, ihre Bilanzen mit Hypotheken voll zu stopfen – die von Zins-, Kredit- und Vorauszahlungsrisiken durchlöchert sind – scheint weit hergeholt.

Und selbst wenn sie wollten, hat die Kreditkrise ihr Fähigkeit dazu, zumindest für eine Weile, beschnitten. Allgemein lag die Kernkapitalquote für Regionalbanken im vergangenen Quartal um 79 Basispunkte unter dem langfristigen Durchschnitt, berichtet die Deutsche Bank. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote von Großbanken deckte sich genau mit dem langfristigen Durchschnitt, aber nur weil ein paar wenige Institute – wie die Bank of America und JPMorgan – weit darüber lagen.

Natürlich werden einige Banken möglicherweise ein bisschen mehr Risikofreude entwickeln, spezialisierte Käufer werden vielleicht auftauchen und der hypothekenbesicherte Bond-Markt wird nicht ganz von der Bühne verschwinden. Aber eine Hypothek zu ergattern, wird wohl noch eine ganze Weile schwierig bleiben – und das sind ganz schlechte Nachrichten für diejenigen, die auf eine Erholung des US-Immobilienmarkts hoffen.

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