Hypotheken
Zum Scheitern zu groß

Die für Fannie Mae und Freddie Mac zuständige Aufsichtsbehörde hat die Beschränkungen für die Hypothekenportfolios der staatlich unterstützten Immobilienfinanzierer aufgehoben. Der Schritt mag dazu beitragen, wieder Bewegung in den blockierten Markt zu bringen. Langfristig könnte es dadurch aber noch schwieriger werden, die beiden zu kontrollieren. Die Steuerzahler könnten am Ende die Dummen sein.

Das Office of Federal Housing Enterprise Oversight hat einige Beschränkungen für die Hypothekenportfolios von Fannie Mae und Freddie Mac aufgehoben. Diese Limits hatte die zuständige Aufsichtsbehörde den zwei staatlich gestützten Immobilienfinanzierern nach ihren Bilanzierungsskandalen am Anfang dieses Jahrzehnts auferlegt. Es beiden Giganten zu erlauben, sich noch mehr Wohnungsbaukredite einzuverleiben, könnte zwar Bewegung in den ins Stocken geratenen Markt für Hypothekendarlehen bringen. Das Risiko, dass beide Institute abermals übertreiben, besteht.

Das mag vielleicht kleinlich klingen. Schließlich sind Fannie und Freddie so ziemlich die Einzigen, die im Spiel um die Hypothekendarlehen noch übrig geblieben sind. Neben einem höher als erwartet ausgefallenen Verlust hat Fannie am Mittwoch auch noch bekannt gegeben, dass sich ihr Anteil an der Ausgabe von Wertpapieren, die sich auf Hypotheken für US-Einfamilienhäuser beziehen, im letzten Quartal 2007 auf fast 50 Prozent erhöht hat – das ist doppelt so viel wie im Vorjahr.

Zu ihren Gunsten wird zudem argumentiert, dass die beiden Unternehmen aufgrund der Auflagen – sie durften sich etwa nur bei Wohnungsbaudarlehen engagieren, für die eine ausreichende Dokumentation der Einkommensverhältnisse vorlag – vor einer aggressiven Kreditvergabe und noch größeren Verlusten geschützt waren.

Denkbar ist aber, dass andere Anbieter genau das konservative Geschäft, das Fannie und Freddie jetzt dominieren, verfolgen würden, wenn nicht das Duo die staatlichen Kostenvorteile vorweisen könnte. Einige Kritiker haben sogar spekuliert, dass die beherrschende Stellung der beiden Giganten bei herkömmlichen Hypothekendarlehen die anderen Mitspieler gar erst in die Krise gezwungen hat. Und als Aktienanlagen waren die beiden Firmen letztendlich nicht sicherer als etwa Citigroup. Die Kurse beider Gesellschaften sind im vergangenen Jahr um mehr als 50 Prozent gefallen.

Zwar mag der Entschluss der Aufsichtsbehörde dem Hypothekenmarkt kurzfristig helfen. Aber die Bilanzierungsskandale der Immobilienfinanzierer hatten ihren Ursprung darin, dass die Riesen zu selbstgefällig geworden waren und in einem politisch geschützten Raum agieren konnten – und weil sie zu groß sind, um zu scheitern. Wenn ihnen jetzt wieder ein ungezügeltes Wachstum gestattet wird, könnte dies zu einem Rückfall in die Krise führen.

Das legt nahe, dass die Branchenaufseher bereit sein sollten, wieder Portfolio-Beschränkungen einzuführen, sobald die anderen Teilnehmer auf den Hypothekenmarkt zurückgekehrt sind. Die Aufsichtsbehörde sollte es sich zudem sehr genau überlegen, ob sie die vorübergehend angehobenen Kapitalanforderungen, die nach den Bilanzierungsunregelmäßigkeiten ihrer Schützlinge angeordnet worden waren, wieder lockert. Das Extra-Polster, das immer noch geringer ausfällt als das, das von den regulierten Finanzinstitutionen verlangt wird, verringert die Wahrscheinlichkeit wenigstens um ein kleines bisschen, dass die amerikanischen Steuerzahler Fannie oder Freddie irgendwann einmal auffangen müssen.

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