Iberia
Muy interessante

Die Fluggesellschaft Iberia hat Gala in ihre Bücher blicken lassen. Die rein spanische Bietergruppe will bis zu 3,90 Euro je Aktie zahlen, mehr als die fraglichen 3,60 Euro je Aktie von Texas Pacific Group und deren Partnern. Ein hoher Preis, zwei Milliardäre und ein spanischer Fluglinien-Magnat verhelfen Gala vielleicht zum Sieg. Aber es könnte Konkurrenz auftauchen.

Bar-Offerten für zyklische Unternehmen werden immer dann selten, wenn sich die Lage auf den Kreditmärkten verschärft. Iberia scheint da, zumindest teilweise, die Ausnahme von der Regel zu bilden. Die spanische Fluggesellschaft, die schon seit Monaten zum Verkauf steht, hat gerade einen neuen Bieter – unterstützt von Milliardären – gefunden, der vielleicht bereit ist, bis zu 3,7 Mrd. Euro oder 3,90 Euro je Aktie zu zahlen.

Iberia ist doppelt attraktiv. Zunächst einmal verfügt der Carrier auf den Routen zwischen Europa und Lateinamerika über einen starken Marktanteil von 20 Prozent. Zum zweiten gehört Iberia in Spanien zu den Landesfavoriten.

Die brancheninterne Logik der Offerte scheint zwar überzeugend, aber nicht überwältigend zu sein. British Airways, die mit zehn Prozent an Iberia beteiligt ist, hatte sich mit der Beteiligungsgesellschaft Texas Pacific zusammengetan. Eine Offerte über 3,60 Euro je Aktie war seit Monaten erwartet worden, hatte sich aber durch die harten Bedingungen auf den Kreditmärkten verzögert. Air France und Lufthansa würden gerne mitmischen, aber die beiden Fluggesellschaften brennen nicht darauf, für ein Unternehmen Geld hinzublättern, das mehrheitlich in spanischen Händen bleiben muss, um an seinen Flügen nach Lateinamerika festhalten zu können.

Zwingender scheinen da schon die Argumente auf nationaler Ebene zu sein. Gala Capital verwaltet die Finanzen einiger sehr reicher Spanier, darunter die der Bau-Milliardäre Alicia Koplowitz und Manuel Jove. Bei der Offerte für Iberia werden sich Gala Capital noch die Regionalbank BBK und Juan Jose Jidalgo, Chef der kleinen spanischen Fluglinie AirEuropa, beigesellen. Die Gruppe hat sich zwar noch nicht zu ihren Absichten oder zu ihrer geplanten Kapitalstruktur geäußert, aber sie scheint den Carrier unter spanischer Flagge halten zu wollen.

Gala ist einem anderen, allgemein erwarteten Übernahme-Angebot einer Gruppe von spanischen Geschäftsleuten unter der Führung des ehemaligen Chefs von Iberia und des ehemaligen Leiters des Einzelhandelsunternehmens Inditex zuvorgekommen. Auch deren Absichten sind nicht eindeutig, aber der Wunsch, die Aktionärsstruktur vorwiegend auf Spanier zu begrenzen, dürfte eine Rolle spielen.

Das Interesse von Gala bedeutet noch nicht, dass diese lange Geschichte nun zu Ende ist. Die Gruppe könnte aufgeben oder eine Auktion einleiten. Aber selbst wenn Gala oder eine rein spanische Konkurrenz durchhält, könnte sich der spanische Mehrheitsbesitz von Iberia als vorübergehend herausstellen. Lateinamerikanische Länder könnten sehr wohl den USA folgen und die Europäische Union wie eine Einzelregion behandeln. In diesem Fall wären die Vermögenswerte von Iberia für eine pan-europäisch ausgerichtete Fluglinie von viel größerem Wert als für irgendeinen spanischen Milliardär.

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