IBM
Die große blaue Schildkröte

Die Lebenserwartung eines durchschnittlichen Technologie-Unternehmens liegt irgendwo zwischen der einer Eintagsfliege und der einer Zikade. Die schildkrötenhafte Langlebigkeit von IBM bezeugt die Fähigkeit der Firma, sich mit Blick auf technologische Umwälzungen zu verändern. Jetzt will „Big Blue“ aggressiv in den Bereich Software vorstoßen und hat dafür die kanadische Cognos für 4,9 Mrd. Dollar gekauft.

Es ist leicht zu verstehen, warum IBM mit diesem Geschäftbereich liebäugelt. Software ist zutiefst rentabel – auf dieses Segment entfallen zwar nur rund 20 Prozent der Umsätze, aber 40 Prozent des Gewinns – und gleichzeitig wächst der Bereich. Außerdem vollzieht sich in der Branche gerade ein grundlegender Wandel. Anstatt Software der so genannten „besten Züchtung“ von verschiedenen Anbietern zu kaufen, verlegen sich die Interessenten auf große Unternehmen wie IBM, SAP und Oracle, die alles unter einem Dach anbieten. Deshalb ist die Übernahme von Cognos, die Programme verkauft, die die Kunden bei der Interpretation von Informationen aus Datenbanken unterstützt, keine Überraschung. SAP und Oracle haben jüngst ähnliche Firmen gekauft.

Und Software-Akquisitionen rechnen sich in der Regel auch, was erklärt, warum es so viele davon gegeben hat. Wenn eine Software-Gruppe eine andere übernimmt, kann der Käufer oft ein Viertel der Betriebskosten einsparen. Und IBM sollte in der Lage sein, die Cognos-Software an viel mehr Kunden zu verkaufen. Wie lautet doch das alte Sprichwort? Niemand ist jemals gefeuert worden, weil er IBM gekauft hat.

Doch während die Software also von „den besten Züchtungen” wegdriftet und damit Wasser auf die Akquisitionsmühlen gegossen werden könnte, ist diese Entwicklung für den Service-Bereich, der mehr als die Hälfte der Umsätze einspielt, nicht gerade von Vorteil. Da die Unternehmen zunehmend für Komplettlösungen optieren, werden tendenziell weniger Fachleute für die Integration von Software und neuen Systemen gebraucht.

Sicher sind die Dienstleistungsbereiche von IBM im vergangenen Quartal tatsächlich um gesunde 14 Prozent gewachsen. Aber die Neuabschlüsse sind nun seit mehreren Quartalen hinter dem Umsatzwachstum zurückgeblieben, so dass sich der Zuwachs wahrscheinlich verlangsamen wird.

Das könnte die Erwartungshaltung der Investoren erklären. IBM wird derzeit mit dem 14fachen der geschätzten Ergebnisse für 2007 gehandelt und damit zu einem Abschlag gegenüber dem Gesamtmarkt. Das dürfte ungefähr hinkommen. IBM mag die Lebenserwartung einer Schildkröte haben – die Aktien des Unternehmens bewegen sich auf jeden Fall so wie das behäbige Panzertier: Sie schleichen seit 45 Jahren hinter dem S&P-500-Index her.

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