ICBC/Bank of China
Chinas Banken stehen vor schwieriger Phase

Die ICBC und die Bank of China haben rückläufige Zinsmargen dadurch ausgeglichen, dass sie bisher in diesem Jahr 30 Prozent mehr Kredite vergeben haben als im Gesamtjahr 2008. Doch die Kreditvergabe muss sich verlangsamen und die Banken werden nach Gebühren jagen müssen, um die Gewinne aufrecht zu erhalten. Das könnte sie dazu verleiten, größere Risiken auf sich zu nehmen.
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Können Sie sich noch an die Zeiten erinnern, als die Banken ihren Daseinszweck in der Kreditvergabe hatten? Die größten Finanzinstitute Chinas könne das mit Sicherheit. Die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) und das ebenfalls staatliche Kreditinstitut Bank of China (BoC) haben Drittquartalsergebnisse vorgelegt, die von vergebenen Krediten in Rekordhöhe nur so strotzen, nachdem die chinesische Regierung ihnen aufgetragen hatte, der taumelnden Wirtschaft Gelder zukommen zu lassen. Diese außergewöhnliche Periode muss einer schwierigen Übergangsphase weichen.

Die ICBC - gemäß der Marktkapitalisierung die weltgrößte Bank - verbuchte binnen Jahresfrist eine Zunahme des Quartalsgewinns um zwanzig Prozent. Und das Gewinnwachstum der BoC war nur um einen Hauch geringer. Zusammen legten sie in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 30 Prozent mehr Kredite heraus als im Gesamtjahr 2008.

Doch was die chinesische Regierung mit der einen Hand verteilte, das sammelte sie mit der anderen allerdings auch wieder ein. Niedrige Leitzinsen haben die Kluft zwischen den Zinsen, die die Banken auf Einlagen zahlen, und den Zinsen, die sie aus Krediten und Investitionen erhalten, im vergangenen Jahr schrumpfen lassen - und zwar um etwa 0,65 Prozentpunkte bei der BoC. Da die Zinsen immer noch rund zwei Drittel der Gesamterträge ausmachen, ergibt sich ein großes Loch bei der Rentabilität eines jeden investierten Yuan.

Höhere Zinsen sind unwahrscheinlich, solange die Erholung der chinesischen Wirtschaft anfällig bleibt. Damit könnten die Margen bis weit ins Jahr 2010 niedrig bleiben. Doch die Kreditvergabe verlangsamt sich schon. Die Kredite der BoC nahmen im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal nur um 2,6 Prozent zu. Die Banken werden nun vielleicht andere Ertragsquellen aufspüren müssen, was zu Risiken für die Institute und ihre Kunden führen könnte. Und diese Entwicklung könnte bereits eingesetzt haben. Chinesische Banken verkaufen jetzt Kredite - gute und schlechte - an so genannte Trust-Gesellschaften, die Kreditvermögenswerte für Kunden aus der Vermögensverwaltung neu verpacken, verlautete von mit der Situation vertrauten Personen.

Zusätzlich könnten sich die Banken darauf verlegen, durch Akquisitionen zu expandieren. Die Offerte der ICBC für das thailändische Kreditinstitut ACL im September könnte nur der bescheidene Anfang gewesen sein und auf größere Deals hinweisen. Selbst die Standard Chartered - die auf Asien konzentrierte, in Großbritannien notierte Bank, die am 29. Oktober selbst annehmbare Ergebnisse vorgelegt hat -, könnte ein Übernahmekandidat sein.

Die chinesischen Megabanken haben in den vergangenen Jahren zwei Welten zu umspannen versucht. Auf der einen Seite haben sie als Erfüllungsgehilfen für die Geldpolitik Pekings agiert und auf der anderen Seite haben sie Gewinnzuwächse und umfangreiche Renditen für die Investoren abgeliefert. Wenn sie auch in zwölf Monaten noch beiden Seiten zu Gefallen sein wollen, dann muss sich etwas verändern. Und die Umsicht mag die Erste sein, die über Bord geworfen wird.

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