IKB
Wer mit der Rute spart, verzieht das Kind

Die staatliche KfW, größter Aktionär der in Schwierigkeiten geratenen IKB, will sich möglicherweise von ihrer Beteiligung trennen. Doch die Missgeschicke des Mittelstandsfinanzierers bleiben vielleicht an ihr haften. Jede Konsolidierung im deutschen Bankensektor ist willkommen. Schade, dass dabei die Dummheit ungestraft davonkommt.

Hat die KfW genug? Die Bank denkt darüber nach, sich von ihrem Anteil von 38 Prozent an der IKB zu trennen. Der Mittelstandsfinanzierer war im Sommer mit seinem Engagement bei US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität ins Trudeln geraten. Der Schritt der KfW wäre keine Überraschung, wenn man bedenkt, wie teuer die IKB der Bank gekommen ist. Die KfW musste einem IKB-Conduit eine Liquiditätslinie über 8,1 Mrd. Euro bereitstellen, als der Refinanzierungsmarkt zusammenbrach. Zudem hat sie federführend ein Rettungspaket über 3,5 Mrd. Euro geschnürt. Merrill Lynch, die Investmentbank, die auch den schwankenden britischen Finanzierer Northern Rock berät, ins Boot zu nehmen, ist sinnvoll. Aber die IKB kann von einem Verkauf mehr profitieren als die KfW selbst.

Die KfW wird die Missgeschicke der IKB vermutlich zum großen Teil ausbaden müssen. Von der Liquiditätslinie über 8,1 Mrd. Euro, die die KfW dem unglückseligen IKB-Conduit Rhineland Funding eingeräumt hatte, sind nach dem letzten Stand schon rund 4,5 Mrd. Euro abgezogen worden. Damit bleibt die KfW auf einem potenziellen Risiko sitzen, falls sich bei diesen Vermögenswerten Ausfälle einstellen. Darüber hinaus muss die KfW, wenn sie einen Verkauf abschließen will, dem Käufer vielleicht weitere Garantien gewähren, dass sie mögliche unvorhergesehene Verluste bei anderen Investitionen der IKB, innerhalb oder außerhalb der Bilanz, ausgleichen wird.

Es ist auch nicht wahrscheinlich, dass die KfW freie Hand bei der Veräußerung ihrer Beteiligung hat. Jeder Käufer des 38prozentigen Anteils müsste eine Pflichtofferte für den Rest vorlegen. Aber die Politiker, die bei der KfW das Sagen haben, werden wahrscheinlich nicht damit einverstanden sein, dass die Bank die IKB an eine große ausländische Bank oder Beteiligungsgesellschaft vergibt. Sie haben Angst, dass dadurch die Rolle der IKB als Finanzierer des deutschen Mittelstands, der 70 Prozent der Erwerbsfähigen beschäftigt, gefährdet wird. Die Genossenschaftsbanken DZ und WGZ haben als mögliche Käufer schon ihren Hut in den Ring geworfen.

Und doch haben die anderen Aktionäre der IKB keinen Grund zur Klage. Sie können froh sein, dass sie überhaupt etwas bekommen. Auch wenn sich der Wert ihrer Aktien seit August halbiert hat, hätten sie ohne die KfW-Rettungsaktion vielleicht einen Komplettverlust erlitten. Stattdessen behalten sie ihre IKB-Aktien, die nach Schätzungen von JCF immer noch mit einem respektablen 1,6Fachen des Buchwerts gehandelt werden. Ohne Zweifel braucht der überfüllte Bankensektor in Deutschland dringend eine Konsolidierung. Aber es ist eine Schande, dass dabei die Dummheit oft ungestraft bleibt.

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