„Illiquiditätsaufschlag“
Schlechte Zeiten für Hedge-Fonds

Hedge-Fonds hatten sich immer damit gerühmt, dass die Investoren – anders als bei Beteiligungsgesellschaften – notfalls immer an ihr Geld kommen. Aber die momentane Krise zeigt, dass dies, wenn es hart auf hart kommt, eben nicht möglich ist. Zukünftig sollten die Anleger einen “Illiquiditätsaufschlag” einfordern.

Einer der Vorteile, den Hedge-Fonds gegenüber Beteiligungsgesellschaften gern anführten, bestand ja angeblich darin, dass die Investoren notfalls immer an ihr Geld kommen. Aber die momentane Krise zeigt, dass dies, wenn es hart auf hart kommt, eben nicht möglich ist. Da sie eine Rückkaufswelle fürchten, sperrt eine wachsende Zahl von Hedge Fonds ihre Investoren von der Veräußerung ihrer Anteile aus.

Polygon und Blue Mountain, zum Beispiel, haben bei ihren Vorzeigefonds die Rücknahme gerade ausgesetzt. In der vergangenen Woche leitete Deephaven Capital Management dieselben Schritte bei einem Mehrfachstrategien-Fonds über 1,6 Mrd. Dollar ein und folgte damit RAB Capital, Ore Hill Partners und Highland Capital Management auf dem Fuß. Im Juli hatte GLG die Investoren bei ihrem Hauptfonds zum Halten ihrer Anteile gezwungen, der von Starmanager Greg Coffey geleitet worden war, der gerade von Bord gegangen ist, um bei Moore Capital Management anzuheuern.

Das Kleingedruckte in den Investitionsvereinbarungen der Hedge Fonds erlaubt solche Sperrfristen. Aber während der guten Zeiten haben sich die Investoren darauf einfach nicht konzentriert. Sie haben es sich erlaubt zu glauben, dass ihre Investitionen in einen Hedge Fonds fast so liquide sind, als hätten sie ihr Geld in die Aktienmärkte gesteckt. Sicher konnte man nicht umgehend an das Geld herankommen, aber normalerweise gab es dazu alle drei Monate Gelegenheit.

Während des Booms war es ja auch wirklich kein Problem, sein Geld aus den Fonds abzuziehen. Bei einigen Spitzenfonds lag die eigentliche Schwierigkeit vielmehr darin, die Erlaubnis zu bekommen, dort anlegen zu dürfen. Aber eine derartige Liquidität hält, wie sich jetzt herausstellt, nur bei gutem Wetter, was sie verspricht. Aber es sind ja genau die stürmischen Zeiten, während derer Liquidität am dringendsten benötigt wird - und das war genau der Zeitpunkt, zu dem sie zu versickern begann. 

Die Besorgnis, zu einer Haltefrist verdonnert zu werden, ist nicht das Einzige, was Investoren berücksichtigen müssen, wenn sie sich überlegen, ob sie ihr Geld in Hedge Fonds stecken. Wenn die Krise erst einmal zu einem Ende kommt, werden sie auch besser einschätzen können, ob die Branche wirklich eine beträchtlich über der des Aktienmarkts liegende Leistung vorweisen kann - und ob sie übermäßige Risiken in Kauf genommen hat, um dorthin zu gelangen. Aber selbst wenn das Austauschverhältnis zwischen Risiko und Rendite akzeptabel ist, sollte es nicht das einzige Kriterium sein. Zukünftig sollten die Investoren einen zusätzlichen Ertrag aushandeln - einen "Illiquiditätszuschlag" -, damit der Anreiz größer wird, ihr Geld dorthin zu bringen, wo es einer Sperre unterworfen werden könnte.

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