Im Orient sind M&A-Banker noch gefragt
Richtung Osten, junger Mann!

Mit dem Versiegen der kreditfinanzierten Unternehmensübernahmen ist in den USA der Markt für Unternehmenszusammenschlüsse eingebrochen. Auch in Europa liegt die Zukunft des Fusionsgeschäfts im Ungewissen. Ganz anders in Asien. Banker sollten sich allmählich Gedanken über eine Verlagerung ihrer Aktivitäten machen.

Die chinesische Versicherung Ping An zahlt 2,15 Milliarden Euro für die Übernahme der Hälfte der Vermögensverwaltungsaktivitäten der belgisch-niederländischen Bank Fortis. Chinas Sinosteel will die australische Minengesellschaft Midwest durch ein feindliches Übernahmeangebot an sich zu bringen. Der asiatische M&A-Markt läuft heiß – und das zu einer Zeit, in der New Yorker oder Londoner M&A-Banker wenig Grund zur Freude haben. Banker, die jetzt in den Finanzzentren des Westens Däumchen drehen, sollten überlegen, eine Fahrkarte nach Asien zu lösen.

Natürlich laufen auch im Westen einige große Geschäfte – Microsofts Übernahmeangebot an Yahoo zum Beispiel. Aber die Zeit der kreditfinanzierten Unternehmensübernahmen (LBOs), die den Markt für Firmenzusammenschlüsse beflügelten, ist erst einmal vorbei. Im Vergleich zu 2007 sank das Volumen der angekündigten Abschlüsse nach Angaben von Dealogic in diesem Jahr bis jetzt um 49 Prozent in den USA und 14 Prozent in Europa. Dabei haben Deals mit Unternehmen aus der Region Asien-Pazifik um 7 Prozent zugenommen und es ist absehbar, dass ihr letztjähriger Rekord noch übertroffen wird. Natürlich ist ihr Anteil am gesamten Kuchen noch klein, nicht zuletzt aufgrund der geringeren Marktkapitalisierung in der Region – sieht man einmal von Chinas wohl überbewerteten Unternehmen ab.

Aber ihr Wachstumspotenzial ist groß genug, um den asiatischen M&A-Markt zu einem der wenigen erfreulichen Faktoren im Investmentbanking zu machen. Die meisten Wall-Street-Firmen, die in der Region aktiv sind, wollen die Zahl ihrer Länderspezialisten, Fusionsexperten und Branchenanalysten aufstocken. Viele vergleichen ihr expandierendes Asiengeschäft mit der Situation im Europa der 1990er-Jahre, als es durch den Fall von Handelsbarrieren zu einer Konsolidierungsbewegung auf dem Markt kam.

Der Prozess wird in Asien anders verlaufen, aber viele Elemente zeigen ein ganz ähnliches Bild. Noch gibt es Spielraum, um nationale Branchenchampions herauszubilden. Taiwan zum Beispiel hat immer noch mehr als drei Dutzend aktive Banken im Markt. Ihre Zahl dürfte in den kommenden Jahren deutlich zusammenschrumpfen und nur einige große Institutionen übrig lassen.

Viele Unternehmen der Region sind zudem äußerst liquide. Chinesischen Unternehmen flossen im vergangenen Jahr durch Börsengänge in Hongkong und Shanghai rund 150 Milliarden US-Dollar zu. Zum ersten Mal hat jetzt für viele von ihnen eine internationale Einkaufstour strategischen Vorrang. Einige suchen lediglich Branchen-Know-how – man denke nur an Ping Ans umfassende Beziehung zu Fortis.

Für andere ist die Expansion nach Übersee strategisch notwendig, um mit größeren, global agierenden Wettbewerbern zu konkurrieren. Sinosteel bot in der vergangenen Woche 1,2 Milliarden australische Dollar (1,1 Mrd. US-Dollar) für die Eisenerz-Minengesellschaft Midwest. Viele Marktbeobachter sehen hierin eine Reaktion auf BHP Billitons Gebot für Rio Tinto, die die Strategie verfolgten, zum weltgrößten Minenunternehmen zu avancieren. Mehr noch, Sinosteel war so überzeugt davon, Midwest zu brauchen, dass es auch nicht vor einem feindlichen Übernahmeversuch zurückschreckte. Genau die Art von Transaktion, die gelangweilte westliche Banker veranlassen könnte, über ihre strategischen Alternativen im Osten nachzudenken.

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