IMF/Strauss-Kahn
Belebung fürs Geschäft

Dominique Strauss-Kahn, Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds, ruft zu einer expansiveren Fiskalpolitik auf – nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern weltweit. Der Aufruf steht im Widerspruch zur traditionell konservativen Politik des IWF, die in den USA und Japan weitere restriktive Maßnahmen forderte.

Da Strauss-Kahns Vorstoß volkswirtschaftlich kaum zu begründen ist, scheint es sich hier entweder um die typische Reaktion eines französischen Sozialisten zu handeln oder um den geschickten Schachzug eines Bankenchefs, der sein leeres Kreditbuch füllen will.

Strauss-Kahn war von 1997 bis 1999 französischer Finanzminister unter dem sozialistischen Premier Lionel Jospin. Ein wachsender Staatsanteil an der Wirtschaft und Keynesianische Ausgabenpolitik zur Stimulierung wirtschaftlichen Wachstums sind ihm damit bestens vertraut. Allerdings ist die Keynesianische Expansionsmedizin nur für Wirtschaften geeignet, die unterhalb ihres Potenzials operieren, in denen die Nachfrage der privaten Konsumenten zu gering ist. Vielleicht mit Ausnahme Japans (wo Keynsianische Politik in den 90ern eingesetzt wurde und scheiterte) passt dieses Muster nicht auf die reichen Volkswirtschaften, vor allem die USA, in denen Privathaushalte exzessiv konsumieren und die Sparquoten niedrig oder sogar negativ sind. Auch in Indien und China, beides Volkswirtschaften mit hohen Sparquoten, ist eine expansive Fiskalpolitik überflüssig. Dort läuft der Konjunkturmotor auf Hochtouren.

Als geschäftsführender Direktor des IWF hat Strauss-Kahn ein Problem. Die Ausleihungen und Investitionen des IWF betragen lediglich 12 Milliarden Dollar, gemessen an einer Bilanzsumme von 225 Milliarden, und die Institution arbeit kaum profitabel. Um dem IWF wieder Einfluss zu verschaffen, braucht Strauss-Kahn dringend eine paar Musterfälle, für die der IWF „Rettungspakete“ schnüren kann, die auch hohe Kredite einschließen.

Vielleicht ist genau das Strauss-Kahns heimlicher Plan. So begrüßte zum Beispiel Palaniappan Chidambaram, der indische Finanzminister, Strauss-Kahns Aufruf zu einer expansiven Fiskalpolitik und kündigte an, Indien werde sich möglicherweise beteiligen. Und das, obwohl die öffentlichen Ausgaben in Indien zwischen April und November 2007 um 22 Prozent, real um 16 Prozent, anstiegen und das Haushaltsdefizit des Landes trotz einer Reihe von wachstumsstarken Jahren auf über 6 Prozent des Inlandsprodukts angewachsen ist. Zusätzliche fiskalpolitische Impulse, gepaart mit einer globalen Wachstumsabschwächung, könnten Indien und andere Länder also sehr gut in die Arme des IWF treiben, um dort Unterstützung zu suchen.

Strauss-Kahns Aufruf erinnert damit an die Anzeigenkampagne eines örtlichen Beauty-Shops, der mit der Freude an waghalsigen Fahrmanövern wirbt. Das mag zwar falsch sein, aber es steigert den Umsatz.

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