Immobilienfinanzierer in der Krise
Fannie Mae: Der Augiasstall

Der quasi verstaatlichte Immobilienfinanzierungsriese Fannie Mae hat endlich mit seinen früheren sonnigen Prognosen aufgeräumt und im dritten Quartal einen Verlust über 29 Mrd. Dollar ausgewiesen. Die Putzaktion an sich ist lobenswert. Aber durch die Verschlechterung bei den Hypotheken- und Garantieportfolios könnte auf die US-Steuerzahler weiteres Ungemach zukommen.

Die neuen Chefs von Fannie Mae haben bei dem Versuch, den Augiasstall des US-Immobilienfinanzierungsriesen aufzuräumen, im dritten Quartal einen Verlust über 29 Mrd. Dollar in Kauf genommen. Und sie haben die früheren sonnigen Annahmen der Firma weitgehend über Bord geworfen - wie zum Beispiel die Vorstellung, dass sie irgendwann in nächster Zeit die Gewinnzone erreichen könnte. Aber sie können kaum etwas tun, um den Mist in ihrem Hypothekenportfolio zu beseitigen.

Der Verlust kam vorwiegend aufgrund der Entscheidung zustande, etwa 21 Mrd. Dollar an abgegrenzten Ertragssteuern abzuschreiben, die nur dann wertvoll sind, wenn ein Unternehmen erwartet, Erträge zu erwirtschaften, um sie innerhalb eines vernünftigen Zeithorizonts dagegen aufzuwiegen. Dies und zusätzliche Kreditverluste über 9,2 Mrd. Dollar haben dazu geführt, dass die Nettovermögenswerte von Fannie Mae um drei Viertel eingebrochen sind.

Es ist erfrischend, dass Herb Allison - der neue, von der Regierung eingesetzte Chef von Fannie Mae - realistischer als seine Vorgänger zu sein scheint, auch wenn es nichts Gutes von dem Unternehmen zu vermelden gibt. Nach eigenen Angaben wird der Immobilienfinanzierer vielleicht die für ihn und Freddie Mac reservierte Regierungsunterstützung über insgesamt 100 Mrd. Dollar anzapfen müssen, um vermeiden zu können, am Jahresende mit negativen Nettovermögenswerten dazustehen. Auch der Anteil der Not leidenden Vermögenswerte an seinem Portfolio über 3,1 Bill. Dollar ist im dritten Quartal weiter angeschwollen und über einen halben Prozentpunkt auf 2,4 Prozent gewachsen.

Idealerweise sollten die Aufsichtsbehörden von Fannie Mae einen Plan ausarbeiten, um die Firma - oder eine angemessen verkleinerte Variante - wieder in den Privatsektor zu entlassen. Unglücklicherweise besteht angesichts der weiter sinkenden US-Immobilienpreise wenig Hoffnung darauf, einen Käufer zu finden und ein noch geringerer politischer Wille, dies überhaupt zu versuchen. Die US-Steuerzahler werden sich in diesem Augiasstall noch eine Weile die Nase zuhalten müssen.

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