Immobilienmarkt
US-Eigenheimpreise: Anstieg könnte nicht von Dauer sein

Zum ersten Mal seit drei Jahren ziehen die Immobilienpreise in den meisten amerikanischen Städten wieder an. Aber die guten Neuigkeiten könnten sich als flüchtig erweisen. Ein staatlicher 8 000-Dollar-Kredit hat die Nachfrage angestachelt und der Bestand an Wohnimmobilien, die nur darauf warten einen Käufer zu finden, dürfte außerordentlich hoch sein.
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Zum ersten Mal seit drei Jahren zeigen die Eigenheimpreise in den meisten amerikanischen Städten im Monatsvergleich wieder einen Anstieg. Der S&P/Case-Shiller 20-Städte-Index stieg von Mai auf Juni saisonbereinigt um 1,4 Prozent. Das sind gute Neuigkeiten für Eigenheimbesitzer und Kreditgeber gleichermaßen. Dummerweise könnte der Anstieg sich aber als nur vorübergehend erweisen.

Ein Großteil der Erholung spielte sich am unteren Ende des Immobilienmarktes ab. Das war zu erwarten - die Preise für billige Wohnungen fielen am schnellsten, sodass sich hier auch am schnellsten wieder ein Gleichgewicht einstellen kann. Die Gründe hierfür sind naheliegend. Die schlimmsten Übertreibungen entstanden, als hohe Kredite ohne große Prüfung an Erstkäufer vergeben wurden. Diese Eigentümer hatten tendenziell nur geringe Reserven, die sie gegen fallende Preise oder Einkommensverluste schützten. Entsprechend schnell wurden viele von ihnen zahlungsunfähig. Und auch die Werte vergleichbarer Immobilien verfielen schnell.

Jetzt beflügelt ein staatlicher 8 000-Dollar-Kredit für Erstkäufer von selbstgenutzten Wohnimmobilien die Nachfrage - wobei billige Immobilien am stärsten profitieren. Schließlich ist der Zuschuss für einen alten baufälligen Wohnwagen immens, für eine Villa dagegen relativ mager. Das Kreditangebot soll planmäßig Ende November auslaufen. Wenn es nicht verlängert wird, kann man davon ausgehen, dass die Nachfrage nach Wohnungen darunter leiden wird.

Die Dauerhaftigkeit des Preisanstiegs könnte ebenso von der Angebotsseite her infrage gestellt werden. Immobilien passen sich normalerweise langsamer an Marktveränderungen an als andere Vermögenswerte. Viele Eigentümer bieten ihre Immobilien schlicht nicht an, wenn der Preis, den sie auf dem Markt erzielen können, geringer ist als ihr Einstandspreis. Sie warten, bis die Umstände sie zum Verkauf zwingen oder eben bis die Preise wieder steigen. Dementsprechend könnten steigende Preise mehr Verkäufer anlocken.

Hinzu kommt, dass die Banken nach Angaben der Federal Reserve gegenwärtig doppelt so lange brauchen wie noch vor zwei Jahren, bevor sie Immobilien aus notleidenden Hypothekendarlehen zwangsversteigern. Ob das unbeabsichtigt ist, weil das System derzeit blockiert ist, oder das Ergebnis des gezielten Versuchs, Abschreibungen zu vermeiden, ist unklar. So oder so, im Endeffekt läuft es auf das Gleiche hinaus - diese Wohnimmobilien werden schließlich zurück auf den Markt drängen und den Immobilienpreisen den nächsten Schlag versetzen.

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