InBev-Finanzierung
Leichtes Geld

Wer sagt denn, dass die Kreditmärkte versperrt sind? Wenn InBev mit ihrer Offerte für Anheuser-Busch Erfolg hat, wird die belgisch-brasilianische Brauerei Berge von Fremdkapital brauchen – und will es dabei gleichzeitig schaffen, eine erstklassige Bonitätsbewertung zu behalten. Selbst Banken, die schwer unter der Kreditkrise leiden, springen ein. Der Einsatz von Fremdkapital sieht aggressiv, aber machbar aus.

Wer sagt denn, dass die Kreditmärkte verschlossen sind? InBev hat eine Offerte über 47 Mrd. Dollar für Anheuser-Busch vorgelegt. Wenn die belgisch-brasilianische Brauerei damit Erfolg hat, dann handelt es sich hierbei nach Angaben von Dealogic nicht nur um die größte reine Bar-Transaktion, die jemals verzeichnet worden ist - der Abschluss ist gleichzeitig auch fast komplett fremdfinanziert. Die acht Banken der Brauerei haben einen Kredit über 40 Mrd. Dollar herausgelegt. Und InBev beteuert, sie werde ein erstklassiges Rating behalten. Die Frage ist nun, wie das amerikanische Objekt der Begierde reagieren wird.

Auf den ersten Blick sieht der Einsatz von Fremdkapital nach einem Kraftakt aus. Analysten schätzen, dass das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) bis zum Jahresende bei zusammen etwa 7,8 Mrd. Euro liegt. Rechnet man die bestehenden Verbindlichkeiten zu der Akquisitionsfazilität hinzu, würde sich das Pro Forma-Verhältnis der Nettoverbindlichkeiten zum Ebitda in diesem Jahr auf ein heftiges Vielfaches von 4,7 belaufen. Aber beide Brauereien werfen Berge von Barem ab. Berücksichtigt man die Kosten über 1,4 Mrd. Dollar, die InBev bei der zusammengelegten Gesellschaft kürzen will, dann verringert sich das Verhältnis bis zum Ende 2009 auf ein vernünftigeres Vielfaches von vier.

Und doch kann es nicht einfach gewesen sein, Banken aufzutreiben, die bereit waren, eine solch Schwindel erregende Summe aus dem Boden zu stampfen. Santander und JPMorgan, zwei der an dem Deal beteiligten Banken, haben starke Bilanzen vorzuweisen, die von der Kreditkrise relativ wenig in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Aber andere, schwächere Banken wie Barclays Capital und die Royal Bank of Scotland springen auch mit ein.

Natürlich haben die Kreditinstitute einen guten Grund, auf ihre letzten Reserven zurückzugreifen. Wer dazu beiträgt, einen 85 Mrd. Dollar schweren globalen Verbrauchsgüterriesen auf die Beine zu stellen, kann zu Recht damit angeben. Die größeren Banken werden darauf setzen, an den künftigen Geschäften der neuen Mega-Brauerei beteiligt zu werden. Und der Betrag von 40 Mrd. Dollar kann in kleine mundgerechte Stücke aufgeteilt werden, um sie unter noch mehr Banken zu verteilen.

Was das kühne Vorgehen von InBev aber eigentlich beweist, ist, dass Unternehmen sich immer noch Fremdmittel für Abschlüsse beschaffen können. Zumindest die Banker im Bereich Fusionen und Akquisitionen werden darüber ein bisschen erleichtert sein. Aber das Geld aufzutreiben, ist nur die eine Seite des Kampfs. Die Käufer müssen die Übernahmeziele immer noch dazu bringen, Preise zu akzeptieren, die von den Schwierigkeiten auf den Kreditmärkten, die nun schon ein Jahr lang andauern, niedergedrückt worden sind. InBevs nächste Herausforderung besteht nun darin, die Offerte dem "König der Biere" zu verkaufen.

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