Inbev/Modelo
Bierbrauer streiten in Mexiko

Inbev hat Modelo, den mexikanischen Partner von Budweiser, verärgert. Modelo argumentiert, die belgische Brauerei habe eine Grenze überschritten, als diese den “König der Biere” gekauft hatte. Es ist schwer vorstellbar, dass die Mexikaner vor Gericht damit durchkommen. Und doch dürfte Inbev den Streit lieber gütlich beilegen wollen, als es auf ein echtes Duell ankommen zu lassen.

Inbev ist in Mexiko in eine heikle Situation geraten. Die belgische Brauerei ist mit dem mexikanischen Bierhersteller Grupo Modelo wegen der Übernahme von Budweiser-Produzent Anheuser-Busch über 52 Mrd. Dollar aneinander geraten. Modelo beansprucht das Recht für sich, bei einer jeglichen Übernahme von Bud konsultiert zu werden, der 50 Prozent ihrer stimmberechtigten Aktien gehören. In seiner Ehre verletzt, hat der Grupo die Rechtsanwälte hinzugezogen - und droht implizit damit, den Deal als Ganzen zum Entgleisen zu bringen.

Auf den ersten Blick ist es schwer vorstellbar, wie der Corona-Produzent damit vor Gericht durchkommen will. Der Eigentümer des Modelo-Anteils ist weiterhin Bud, die eine hundertprozentige Tochter von Inbev bleibt. Schließlich haben sich die Besitzverhältnisse bei Bud und nicht bei dem Joint Venture mit Grupo Modelo geändert. Natürlich ist das Management von Bud umgekrempelt worden, aber das ist kaum gleichbedeutend mit einer herkömmlichen Änderung der Beherrschungsverhältnisse.

Modelo besteht hartnäckig darauf, das mexikanische Recht auf seiner Seite zu haben. Doch es ist immer noch nicht ganz klar, was die Brauerei sich dabei ausrechnet. In einem normalen Marktumfeld könnte man auf den Gedanken kommen, die Familien im Mehrheitsbesitz strebten eine vollständige Übernahme zu einem üppigen Aufschlag an. Aber Inbev wäre gar nicht in der Lage, dies anzubieten. Die Belgier stehen bei ihren Banken ohnehin schon in der Schuld, was 45 Mrd. Dollar der Deal-Finanzierung angeht. Und wollte man vor Gericht eine Aufhebung des gesamten Deals erwirken, ist es unwahrscheinlich, dass die Mexikaner dabei besser abschneiden würden.

Doch Modelo hat erkannt, dass sie etwas erreichen kann, wenn sie Inbev kräftig auf die Nerven geht. Und es gibt zwei Gründe, warum Inbev diesen Konflikt vielleicht gütlich beilegen möchte. Zum einen muss der belgische Riese immer noch 9,8 Mrd. Dollar an Eigenkapital sammeln, um einen Überbrückungskredit zurückzuzahlen, den er bei seinen Banken, darunter JPMorgan und Santander, aufgenommen hatte. Die Aktionäre werden es sich vermutlich sehr gut überlegen, ob sie sich engagieren wollen, wenn sich ein unschöner Gerichtsprozess anbahnt.

Zum anderen wäre es für Inbev ein Leichtes, die Bedingungen für Modelo ein wenig nachzubessern. Wenn sie den Anteil der Gewinne ein wenig anheben würde, die sie an Modelo für den Verkauf ihrer Marken, die nur rund zehn Prozent des Gruppenvolumens ausmachen, fließen lässt, würde dies kaum zu ihrem Ruin führen. Auf jeden Fall wäre es besser, als sich am Schluss in einer verbitterten Partnerschaft wieder zu finden. Der mexikanische Aufstand mag große Dramatik bieten, aber es ist unwahrscheinlich, dass eine der beiden Seiten wirklich Blut sehen will.

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