Indien
Schwarzer Peter

Das Ausland errichte Handelsbarrieren, indem behauptet werde, Indien ginge nicht gegen Kinderarbeit vor. Dies beklagte der indische Handelsminister. Unsinn sei das alles. Aber seine Beschwerde spiegelt die Vorliebe der indischen Regierung wider, Ausländer für die wirtschaftlichen Fehlentwicklungen des Landes verantwortlich zu machen. Um wirkungsvoll konkurrieren zu können, muss Indien seine Probleme selbst lösen.

Die US-Bekleidungsfirma The Gap hat in dieser Woche Kleider aus ihrer Kollektion genommen, nachdem entdeckt worden war, dass Kinder an deren Herstellung beteiligt waren. Die Regierung von Indien – dort waren die Kleider von einem Subunternehmer genäht worden – wollte sich dagegen qualvoll aus der Verantwortung stehlen. Der indische Handelsminister sagte, das Land werde möglicherweise gegen Ausländer vorgehen, die Berichte über illegale Kinderarbeit zur Errichtung von Handelsbarrieren nutzten.

Wie bitte? Der US-Einzelhändler The Gap, dem in der Vergangenheit selbst vorgeworfen worden war, Kinderarbeit zu nutzen, der aber seitdem aufgeräumt hat, hat schnell und angemessen reagiert, nachdem klar war, dass sein Subunternehmer gegen das Gesetz verstoßen hat. Aber die indische Regierung hat wieder einmal ihren unglückseligen Hang demonstriert, ausländische

Unternehmen für ihre Probleme verantwortlich zu machen.

Diese Reaktion erinnert daran, dass die Politiker den schwarzen Peter für die Währungsaufwertung und die Teuerung den ausländischen Kapitalflüssen zuschieben anstatt die Investitionsvorschriften zu liberalisieren, um es dem inländischen Kapital zu ermöglichen, außer Landes zu gelangen.

In diesem Fall ist die Begründung allerdings noch bizarrer. Zugegeben, die Textilindustrie ist ein enormer Faktor für Indien und das Land sieht sich einer starken Konkurrenz durch billigere asiatische Anbieter zum Beispiel aus Vietnam oder Kambodscha gegenüber. Aber bei den eigenen laschen Anforderungen stehen zu bleiben und sich vor der Verantwortung zu drücken, ist keine Haltung für ein Land, das einen Platz unter der Wirtschaftselite der Welt einzunehmen sucht.

Als Reaktion auf einen Artikel in einer britischen Zeitung ist die betroffene Textilfabrik geschlossen worden, eine weitere war am Montag durchsucht worden. Aber Indien muss bei der Umsetzung der Gesetze aktiver werden, oder es muss sich möglicherweise auf eine internationale Gegenreaktion gefasst machen. Da die Verbraucher aus dem Westen immer stärker bereit sind, für ethisch einwandfrei gefertigte Waren mehr auszugeben, könnte Indien Chancen schaffen, indem es die eigenen Hersteller besser überwacht. Das würde den 13 Millionen Kindern zu Gute kommen, die, wie die Regierung zugibt, in den Fabriken des Landes arbeiten. Und es würde Indien zudem einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil gegenüber der Billig-Konkurrenz verschaffen.

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