Indien
Wenn Kricket zum Politikum wird

Man stelle sich nur einmal vor, Großbritannien gälte als zu gefährlich für ein Spiel der englischen Premier League; oder die USA hielte die Baseball World Series aus Sicherheitsgründen im Ausland ab. In Indien ist man diesen Schritt in Bezug auf Erstliga-Kricketspiele – die beim Großteil der Bevölkerung religiöse Verehrung genießt – nun gegangen.
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Das Indian Premier League Twenty20 Spitzenturnier findet im Ausland statt. Die Entscheidung der Regierung folgt dem Terroranschlag auf die sri-lankische Mannschaft Anfang des Monats in Pakistan. Man könne die Sicherheit für die landesweiten Wahlen und die gleichzeitig stattfindende IPL nicht gewährleisten. Demokratie geht zu Recht über Sport, doch die IPL muss nun woanders stattfinden, wahrscheinlich in London, Südafrika oder im Nahen Osten.

Die Durchführung des Turniers im Ausland schützt zumindest die finanziellen Interessen der Lizenzinhaber im Besitz der Teams. Doch, so befürchtet der IPL-Vorsitzende, Indiens bislang lukrativstes Sportereignis könnte den Organisatoren in diesem Jahr überhaupt keinen Profit bringen.

Am schlimmsten sind die politischen Folgen. Es ist vorstellbar, dass die Verlegung der Meisterschaft die regierende Congress Party den Sieg bei der anstehenden und als sehr spannend vorhergesagten Wahl kosten wird. Selbst wenn die IPL im nächsten Jahr wieder auf indischem Boden zurück kehrt: dieser Vorfall erinnert daran, dass zwischen Indien und dem Erfolg ein riesiger Berg an geopolitischen Zwistigkeiten liegt.

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