Inflation
Ein kleine Spirale, vielleicht

In der Regel sinken im Zuge einer konjunkturellen Abschwächung auch Löhne und Preise. Davon hat man in der deutschen Stahlindustrie aber allem Anschein nach noch nicht gehört. Gerade erst einigten sich die Tarifparteien über einen fünfprozentigen Lohnanstieg. Auch der Rohölmarkt, der wieder mit der 100-Dollar-Marke pro Barrel flirtet, scheint die Regel zu ignorieren. Kein Wunder also, dass die Anleiherenditen in den USA nach oben schnellten.

Was passiert mit der Inflationsrate, wenn sich das Wirtschaftswachstum abschwächt? Für die meisten Ökonomen ist das eine kinderleichte Frage. In harten Zeiten halten Produzenten die Preise niedrig und Arbeitnehmer sind zu ängstlich, um deutliche Lohnerhöhungen zu fordern. Die Inflation sinkt. Dummerweise will diese einfache Theorie real nicht so richtig funktionieren.

Die US-Konjunktur kühlt sich eindeutig ab und auch in Europa und Japan gibt es bedenkliche Zeichen. Das aber scheinen die deutschen Stahlproduzenten noch nicht wahrgenommen zu haben. Gerade erst haben sie einer 5,2-prozentigen Lohnerhöhung zugestimmt. Ein üppiges Ergebnis für eine Industrie, die sich einem 65-prozentigen Kostenanstieg beim wichtigsten Rohmaterial Eisenerz gegenüber sieht.

Auch der Rohölmarkt ignoriert offensichtlich die wirtschaftlichen Signale. Die Nachfrage sinkt und das Angebot bleibt konstant, dennoch sprangen die Preise in den vergangenen zwei Wochen um 15 Prozent nach oben und überschritten dabei kurzfristig die 100-Dollar-Grenze pro Barrel.

Wenn die Fakten den Theorien der Experten nicht entsprechen, bestreiten die Experten erstmal die Fakten. So wird zum Beispiel der deutliche Lohnanstieg in Deutschland mit der allmählich nachlassenden Konjunkturstärke erklärt – bei der Bank of America rechnet man für das Jahr 2008 mit einem durchschnittlichen Lohnanstieg um drei Prozent nach einem Plus von 1,3 Prozent im Jahr davor. Der Ölpreis wird mit der nach wie vor wachsenden Nachfrage aus den Entwicklungsländern begründet. Und genauso wird bei Eisenerz, Weizen, Reis und Tee argumentiert.

Vielleicht aber liegt das Problem auch in der Theorie. Vielleicht sollten die Ökonomen mehr über Geld und Kredit nachdenken. Diese Analyse könnte die Vermutung nahelegen, dass der in den vergangenen zwei Jahrzehnten vorherrschende Trend – Verbraucherpreisdeflation und Vermögenswertinflation – inzwischen gebrochen ist. Eine solche Verschiebung könnte die chinesische Inflationsrate von sieben Prozent, wie auch die unangenehm hohe Inflation in den USA, der Eurozone und in Großbritannien erklären.

Wie dem auch sei, die Bondmärkte werden allmählich nervös. Die Rendite 30-jähriger Staatsanleihen, ein guter Indikator für die Inflationserwartungen, ist im vergangenen Monat um 40 Basispunkte nach oben geklettert. Sollte sich das monetäre Blatt tatsächlich gewendet haben, könnte es noch schlimmer kommen. Die Rendite 30-jähriger Anleihen liegt immer noch bei moderaten 4,7 Prozent. 1981, als die Zeiger des monetären Weltgefüges auf Maximum-Inflation standen, lag diese Rendite um zehn Prozentpunkte höher.

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