Inflation in den Golf-Staaten
Politische Währung

Die galoppierende Inflation in den Golf-Staaten wächst sich zur politischen Krise aus. Doch die Bindung ihrer Währungen an den Dollar erschwert es den Zentralbankern der Region, das Problem in den Griff zu bekommen. Die Regierungen wollen durch eine Entkopplung von der US-Währung nicht den Schmusekurs mit Amerika aufs Spiel setzen.

Die galoppierende Inflation ist zum größten politischen Problem in den Golf-Staaten geworden. Doch den Zentralbankern in Saudi-Arabien, Bahrain, Oman, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) sind aufgrund der Bindung ihrer Währungen an den Dollar die Hände gebunden.

Die Zahlen sind bemerkenswert. In den VAE liegt die Inflation inoffiziell bei 14 Prozent – das ist dreimal so hoch wie von der Regierung angestrebt. Und die Volkswirte rechnen mit einer weiteren Erhöhung.

Die Unzufriedenheit über die steigenden Preise ist enorm. Selbst die Angst davor, die autokratischen Regierungen zu verärgern, reicht nicht mehr aus, um die aufgebrachten Menschen zum Schweigen zu bringen. Schlecht bezahlte Gastarbeiter, die besonders stark unter der Situation leiden, waren auch auf die Gefahr hin, ihre kostbare Arbeitserlaubnis zu verlieren, auf die Straßen gegangen. Die Lokalzeitungen waren immerhin so mutig, ausführlich und an prominenter Stelle über die Ausschreitungen zu berichten.

Die Dollar-Bindung zwingt die Golf-Staaten dazu, die US-Geldpolitik spiegelbildlich nachzuvollziehen. Sie müssen die Zinsen zu einem Zeitpunkt senken, zu der eigentlich eine kräftige Anhebung vonnöten wäre. Doch ohne eine Änderung des währungspolitischen Kurses wird die Teuerung weiter stiegen und die politische Lage wird ohne Zweifel noch stürmischer werden.

Idealerweise würden die Golf-Staaten ihre Währungen von der fallenden US-Valuta abkoppeln. Doch Saudi-Arabien, das politische Schwergewicht dieser Staaten, widersetzt sich seit langem einem solchen Schritt. Als Kuwait im vergangenen Mai dazu übergegangen war, dem Dinar einen Korb an Währungen zugrunde zu legen, zeigten sich die USA unbeeindruckt – aber damals hatte der Dollar seinen schnellen Abstieg noch nicht angetreten.

Unter vier Augen geben Vertreter der Golf-Regierungen zu, die USA würden einen solchen Schritt jetzt, da die Weltwirtschaft bereits in einer prekären Lage ist, mit der Erklärung eines Wirtschaftskriegs gleichsetzen. Und dies hätte Folgen auf dem Gebiet der Sicherheit.

Unter den gegebenen Umständen wäre eine Währungsaufwertung gegenüber dem Dollar diplomatischer. Nach Expertenschätzungen wäre eine einmalige Aufwertung von bis zu 20 Prozent erforderlich, um die Teuerung unter Kontrolle zu bringen.

Darüber wäre Amerika zwar nicht glücklich, aber das Land könnte sich ein wenig damit trösten, dass der Dollar seinen Status als Referenzwährung behält. Die Golf-Staaten würden vielleicht die Buchverluste bei ihren umfangreichen Portfolios an auf Dollar lautenden Vermögenswerten verwünschen. Aber dennoch sieht eine Aufwertung wie die gangbarste Reaktion auf eine aufkeimende Krise aus.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%