Inflation in Europa
Tritt auf die (Wachstums)Bremse soll galoppierende Inflation stoppen

Der oberste europäische Zentralbanker Trichet läutete mit seiner Rede von der drohenden Gefahr einer explodierenden Inflation die Alarmglocken. Eine Zinsanhebung am Donnerstag ist nicht mehr zu vermeiden und die nächste könnte auf dem Fuße folgen. In Großbritannien sind höhere Leitzinsen vielleicht auch trotz der steigenden Inflationserwartungen nicht notwendig. Die drohende Rezession könnte die gleiche Bremswirkung entfalten.

Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), sieht die Gefahr einer "explodierenden" Inflation. Einen Tag vor dem nächsten Leitzins-Meeting der EZB könnte Trichet die Alarmglocken kaum stärker läuten. Das Inflationsgift muss bekämpft werden und zwar schleunigst. Die oberste Währungsbehörde Großbritanniens tagt eine Woche später und schaut nervös auf die Entwicklung der Inflationserwartungen in der Bevölkerung - laut Statistik liegen sie gegenwärtig bei 4,6 Prozent für das kommende Jahr. Die Preisniveausteigerungen haben beide Zentralbanken ins Schleudern gebracht. Aber die EZB ist im Rückstand und muss deutlicher handeln, um aufzuholen.

Trichet ist spät erwacht. In der Eurozone liegt die Inflationsrate inzwischen bei 4 Prozent; der Tagesgeldsatz der EZB liegt auf dem gleichen Niveau. Das bedeutet, die Geldpolitik ist noch nicht restriktiv genug. Die Geldmenge in ihrer breiten Definition wächst bereits mit zweistelligen Raten - mehr als doppelt so schnell wie von der EZB einst angestrebt. Es ist so gut wie sicher, dass die EZB die Zinsen am Donnerstag um 25 Basispunkte anheben wird, auch wenn die Wirtschaft der Eurozone gegenwärtig deutlich an Fahrt verliert. Sie könnte sogar gezwungen sein, die Zinsen wiederholt anzuheben - selbst wenn dadurch eine Rezession heraufbeschworen wird. Bei der Bank of England klingelten die Alarmglocken schon früher. Notenbankgouverneur Mervyn King informierte den Schatzkanzler schon vor mehr als einem Jahr, dass die Inflation die 3-Prozentmarke überschritten hatte. Allerdings liegt die Verbraucherpreisinflation mit 3,3 Prozent noch unterhalb der von der BoE als kritisch eingestuften Marke von 5 Prozent. Das Wachstum der breiten Geldmenge liegt zwar mit 10 Prozent immer noch hoch, ist aber in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen, da die britische Wirtschaft genauso schnell in eine Rezession abzugleiten scheint.

In der britischen Bevölkerung wachsen zwar die Inflationssorgen, aber die Löhne steigen kaum noch - obwohl die Arbeitslosenquoten bisher noch nicht sichtbar angestiegen sind. Bleiben die Löhne auf diesem Niveau, wird voraussichtlich auch die BoE stillhalten.

Was ist da falsch gelaufen? BoE und EZB verweisen auf das aufstrebende Asien und die enormen Preissteigerungen auf dem Rohölmarkt. Sie sollten vielleicht auch ein wachsames Auge vor die eigene Haustür richten, zum Beispiel auf den steilen Preisanstieg auf dem britischen, irischen und spanischen Immobilienmarkt. Schon zu lange haben die Zentralbanker die explosive Kraft der Kredit- und Geldmärkte vernachlässigt.

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