Inflation
Psychologischer Anreiz

US-Finanzminister Paulsons Rettungsplan lässt die Inflation verlockend erscheinen. Und dabei dreht es sich nicht nur darum, dass zusätzlich 700 Mrd. Dollar aufgenommen werden. Wenn Uncle Sam erst einmal auf Bergen zweifelhafter Hypothekenvermögenswerte sitzt, wird er nicht allzu viele Ausfälle erleiden wollen. Ein einfacher Weg, den Steuerzahlern einen Gewinn zu vermelden, ist es, die Zinsen niedrig und die Inflation hoch zu halten.

Der Bilanz der US-Regierung zusätzlich 700 Mrd. Dollar an Schulden aufzubürden, könnte an sich schon zur Inflation beitragen. Von öffentlicher Seite wird dies natürlich abgestritten. Aber die Investoren sollten auch bedenken, dass der Plan von US-Finanzminister Hank Paulson - Troubled Asset Relief Plan, oder kurz Tarp, genannt, der dazu beitragen soll, die amerikanischen Banken wieder auf ihre Füße zu stellen, - der Regierung einen großen psychologischen Anreiz liefern würde, die Inflationsrate aufzupumpen.

Der endgültige Wert eines jeden Hypothekenpapiers hängt maßgeblich davon ab, wie viele Darlehensnehmer ihre Kredite abbezahlen. Im Gegenzug werden die Tilgungsleistungen zu einem großen Ausmaß von den Einkommen bestimmt, die für Hypothekenzahlungen zur Verfügung stehen. Momentan verdient ein steigender Anteil der Hausbesitzer nicht genug, um Schritt zu halten.

Es gibt allerdings eine einfache Lösung für dieses Problem: niedrige Zinsen und eine hohe Inflation. Niedrige Zinsen erleichtern es den Kreditnehmern, ihre Zahlungen weiterhin rechtzeitig zu erbringen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit dem Schuldendienst in Verzug geraten, nimmt damit also ab. Um dies in die Wege zu leiten, sieht es immer wahrscheinlicher aus, dass die US-Notenbank Fed den Tagesgeldsatz von zwei Prozent senkt.

Eine hohe Teuerung, besonders in Form einer Lohnkosteninflation, würde den überstrapazierten Hausbesitzern Geld in die bedürftigen Hände spülen. Die Hypotheken würden sie weniger belasten und die Hypothekenvermögenswerte der Regierung würden im Wert steigen. Sicher, sämtlichen inflationsgetriebenen Gewinnen würde mehr als nur einen Hauch der wirtschaftlichen Fiktion anhaften, aber die Steuerzahler dürften sich wahrscheinlich eher an den Plus-Saldo erinnern als an die Fußnote zur Bereinigung der Preisveränderungen.

Natürlich ist die US-Regierung einer niedrigen Inflation verpflichtet. Und eine die Teuerung fördernde Politik würde Gefahr laufen, den bereits angeschlagenen Dollar weiter unter Druck zu setzen. Aber bedenken Sie nur, wie groß die Versuchung ist.

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