Informa
Medienhappen

Die britische Mediengruppe tat gut daran, die Fusionsgespräche mit der stärker anzeigenorientierten und stärker zyklisch reagierenden UBM abzubrechen. Informa verdient ein besseres Angebot. Das Interesse der Beteiligungsgesellschaften könnte signalisieren, dass es zur Aufspaltung von Informa kommt.

Informa tat gut daran von den Null-Prämien-Fusionsgesprächen unter Gleichen zurückzutreten. Ein Geschäft mit United Business Media hätte den Aktionären nicht genug geboten. Die Ironie liegt jetzt darin, dass der Preis für die Zurückhaltung darin liegen könnte, von privaten Beteiligungsgesellschaften aufgespalten zu werden.

Nach den Vorschlägen von UBM sollte Informa 60 Prozent der Umsätze und Gewinne in ein gemeinsames Unternehmen einbringen. Informa erzielt gerade einmal 3 Prozent seiner Umsätze aus dem zyklischen Anzeigengeschäft. Bei UBM liegt der Anteil viel höher, so um die 80 Prozent - das ist gegenwärtig kaum attraktiv. Vor diesem Hintergrund hätte Informa zumindest eine Prämie verdient. Berichte darüber, dass sich nun Beteiligungsgesellschaften für Informa interessieren, kommen nicht überraschend. Nachdem die Nachricht über die gescheiterten Verhandlungen mit UBM die Runde machte, stiegen Informa-Aktien um 22 Prozent, während die Aktien von UBM nahezu unverändert blieben. Darin zeigte sich deutlich, dass die Aktionäre mit anderen Interessenten rechneten. Ein Geschäft mit Beteiligungsgesellschaften könnte attraktiv sein, aber Informa ist nicht verzweifelt darauf angewiesen. Zwar ist das Unternehmen stark verschuldet, die Kredite entsprechen dem 4,3-fachen der Gewinne (EBITDA), aber die Gruppe konnte einen Großteil davon im Juli 2007 günstig aufnehmen, als sie Datamonitor für 500 Millionen Pfund aufkaufte. Die Konditionen sind über fünf Jahre festgeschrieben und Informa läuft kaum Gefahr die Kreditvereinbarungen brechen zu müssen.

Da Infoma jedoch eine hohe Schuldenlast zu tragen hat, dürften die Beteiligungsgesellschaften versuchen, sich die Rosinen aus dem Kuchen zu picken, sprich die überwiegend autonom agierenden, spezialisierten Geschäftsfelder. Die könnten sie dann mit anderen Beteiligungen kombinieren, um Kostenvorteile zu realisieren und ihren defensiven Anteil am Mediensektor zu erhöhen. Der Geschäftsbereich Akademische & Wissenschaftliche Publikationen von Informa könnte gut zur deutschen Springer SBM passen, die sich im Besitz der Beteiligungsgesellschaften Candover und Cinven befindet. Springer bot für die ganze Informa 630 Pence pro Aktie im Oktober 2006, dürfte heute jedoch kaum bereit sein auch nur annähernd so viel anzulegen.

Ein anderer möglicher Bieter im Konsortium könnten Apax Partners sein. Ihr Interesse könnte darin liegen, das Event-Geschäft von Informa mit den speziellen Publikations- und Konferenzvermögenswerten zu kombinieren, die sie im vergangenen Jahr zusammen mit der Guardian Media Group von Emap übernommen haben.

Analysten erwarten, dass Informa 500 Pence pro Aktie akzeptieren wird. Dieser Preis entspräche einem 30-prozentigen Aufschlag auf den unbeeinflussten Kurs und unterstellt einen Unternehmenswert von 3,3 Milliarden Pfund. Das ist erschwinglich: Die Beteiligungsgesellschaften sitzen auf Barmitteln, haben gegenwärtig aber nur wenige Anlageziele. Informa ist durch die Übernahme vieler kleinerer Konkurrenten entstanden. Jetzt ist das Unternehmen reif für eine Aufspaltung in leichter verdauliche Teile.

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