Inside Anglo American
Ein Konzern mit großen Ambitionen

Die Südafrikaner erholen sich von Rückschlägen und expandieren weltweit. Die Verschuldung sinkt, der mittelfristige Ausblick ist gut.
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Fast vier Jahre nach der Übernahme des Chefpostens bei Anglo American schließt Cynthia Carroll den Umbau des Konzerns weitgehend ab. Einst war das Minenhaus ganz auf Südafrika ausgerichtet, nun sucht es seine Chancen in der ganzen Welt.

Jüngstes Beispiel für den Umbau ist der nun auch formell vollzogene Verkauf der großen Skorpion-Zinkmine im Süden von Namibia für über 700 Millionen Dollar an den britisch-indischen Wettbewerber Vedanta Resources. Anglo American strafft damit erneut sein Portfolio.

Seit ihrem Amtsantritt Anfang 2007 hat Carroll den einst stark von den Edelmetallen dominierten Rohstoffmix des Konzerns verändert. Die Anglo-Chefin setzt auf den Ausbau bestehender Projekte und das daraus resultierende organische Wachstum. Zu den tragenden Säulen ihrer Strategie gehört das Eisenerzprojekt Minas Rio in Brasilien. Doch dies birgt Risiken für den Konzern. Zahlreiche Verzögerungen bei der Umsetzung des Großprojekts könnten Anglo die Chance nehmen, schon in Kürze zu den Rivalen Rio Tinto, BHP Billiton und Vale aufzuschließen.

Statt ursprünglich veranschlagter zwei Milliarden Dollar befürchten Analysten bei Minas Rio nun Kosten von bis zu fünf Milliarden Dollar. Dies würde Anglo die Rechnung verderben. Zwar gilt das Projekt angesichts der hohen Erzqualität und geringer Betriebskosten als sehr attraktiv, doch könnte Anglo es schwer haben, den investierten Betrag wieder zu erwirtschaften.

Aber selbst wenn es länger dauert, Anglo steht heute finanziell weit besser da als noch vor einem Jahr. Dank der steigenden Rohstoffpreise hatte sich im ersten Halbjahr der Betriebsgewinn auf 4,4 Milliarden Dollar verdoppelt. Das britisch-südafrikanische Minenhaus konnte daher wieder eine Dividende zahlen. Diese war 2009 zum Entsetzen der Aktionäre erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg ausgesetzt worden. Die Nettoverschuldung ist zudem auf 10,9 Milliarden Dollar geschrumpft – Tendenz fallend. Zumindest der mittelfristige Ausblick hat sich damit deutlich aufgehellt.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent

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