Inside Arcelor-Mittal
Der Stahlkonzern sichert seine Basis

Arcelor-Mittal investiert in Afrikas Rohstoffe. Damit folgt der Konzern mit der Heimatbasis Indien derselben Strategie wie die Chinesen. Eine Kolumne von Martin Murphy.
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Der weltgrößte Stahlproduzent, Arcelor-Mittal, hat Konsequenzen aus dem rasanten Anstieg der Rohstoffpreise gezogen. Zügig will Vorstandschef Lakshmi Mittal die eigene Förderung von Eisenerz und Kohle hochfahren und sich damit dem Preisdiktat der Minengiganten Vale, BHP Billiton und Rio Tinto entziehen. Nachdem diese im Frühjahr die Laufzeit der Verträge von Jahres- auf Quartalsrhythmus umgestellt haben, verdoppelten sich die Bezugspreise.

Mit den neuen Quartalskontrakten wurde es nicht nur teurer, das Geschäft ist auch schwankungsanfälliger geworden. Die Stahlfirmen könnten dies verdauen, ihre Kunden aber nicht. Autobauer wie Daimler und Gerätehersteller wie Miele brauchen stabile Preise, um solide planen zu können. Die Großabnehmer sperren sich daher gegen neue Verträge mit einer quartalsweisen Festlegung der Stahlpreise.

Um ihr Risiko zu minimieren und den Kunden solide Preise anbieten zu können, brauchen Stahlhersteller eigene Minen. Arcelor-Mittal geht daher den richtigen Weg. Konzerngründer Lakshmi Mittal hat das Risiko bei den Rohstoffen schon früh erkannt und kontinuierlich die eigene Förderung ausgebaut.

Nun folgt der große Wurf. Bis 2015 will der Konzern die eigene Erzproduktion auf 100 Millionen Tonnen jährlich verdoppeln. Kostenpunkt: vier Milliarden Dollar. Zeitgleich erweitert Arcelor-Mittal seine Kohleminen. Bereits heute kann der Branchenprimus rund 60 Prozent des eigenen Erzbedarfs aus eigenen Quellen decken. Mit dem Ausbau arbeitet sich Arcelor-Mittal Richtung Eigenversorger vor.

Das Vorgehen des in Luxemburg angesiedelten Konzerns hat auch industriepolitische Dimensionen. Denn der Schwerpunkt der Investitionen liegt auf Afrika. Der Konzern sichert damit die Versorgung Europas - der Region, in der Arcelor-Mittal den größten Umsatz erzielt - mit Kohle und Eisenerz ab. Nach Afrika drängen auch die Chinesen, die ihre boomende Wirtschaft mit Rohstoffen versorgen wollen.

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