Inside Bertelsmann
In Gütersloh spielt wieder die Musik

Europas größter Medienkonzern schickt seine Rechtefirma BMG auf Einkaufstour.
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Musik hat Hartwig Masuch immer zur Hand. Neben seinem Schreibtisch in Berlin steht die E-Gitarre samt Verstärker griffbereit. Der Chef der im Juli 2009 gegründeten BMG Rights Management liebt sein Geschäft. Seither hat Masuch die Rechte an über 250 000 Musikwerken zusammengekauft. Erst kürzlich gelang dem einstigen Manager der Ruhrgebiets-Band Extrabreit („Hurra, die Schule brennt“) sein bislang größter Coup: die Übernahme der Musikfirma Chrysalis. 130 Millionen Euro gibt BMG für die Rechte an Künstlern wie Blondie und David Bowie aus.

Bertelsmann will mit der neuen Tochter BMG einen globalen Player im Musikrechtegeschäft aufbauen. Europas größter Medienkonzern ist in einer starken Position. Nach dem Horrorjahr 2009 haben die Gütersloher 2010 unerwartet schnell den Wiederaufstieg geschafft. In den ersten neun Monaten stieg der operative Gewinn (Ebit) um 34 Prozent auf gut eine Milliarde Euro. Und in diesem Jahr könnte die Nettofinanzverschuldung unter die wichtige Marke von zwei Milliarden Euro sinken.

Nach dem Verkauf der Musiksparte an Sony im August 2008 schien der Rückzug der Bertelsmänner aus dem schillernden Geschäft für immer besiegelt. Doch Finanzvorstand Thomas Rabe hatte zusammen mit dem Finanzinvestor KKR die Idee, das Musikgeschäft neu aufzubauen. Statt wie zuvor auf das rückläufige CD-Geschäft zu setzen, konzentriert sich BMG nun auf das Geschäft mit den Urheberrechten an den Songs. In diesem Jahr soll das Berliner Unternehmen einen Umsatz von rund 100 Millionen Euro erzielen.

An Geld für die Expansion mangelt es KKR und Bertelsmann nicht. Denn das Duo verfügt über ausreichende liquide Mittel, um im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich weiter auf Einkaufstour zu gehen. Der Zeitpunkt ist günstig. Denn die Preise im Musikverlagsgeschäft sind im Keller. Ohnehin gibt es im konsolidierten Musikgeschäft nicht allzu viele Bieter. Gute Voraussetzung, damit BMG-Chef Masuch bei nächster Gelegenheit wieder zuschlägt.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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