Inside BP
Der Kampf um die Unabhängigkeit

Der Aktienkurs hat sich erholt. Eine Übernahme ist aber noch nicht vom Tisch.
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Es wäre sein größter Deal geworden. Vor sieben Jahren wollte der damalige BP-Chef John Browne den Erzrivalen Shell übernehmen. Dies sei in letzter Minute am Widerstand des eigenen Verwaltungsrats gescheitert, schreibt Browne in seiner Autobiografie. Der Zug für die Megafusion sei nun abgefahren.

Das stimmt inzwischen nicht mehr. Doch die Vorzeichen sind andere. BP ist jetzt in der Defensive. Es sind Shell sowie der Konkurrent Exxon Mobil, die offenbar seit Monaten Pläne schmieden, BP zu übernehmen – seitdem die Katastrophe im Golf von Mexiko den BP-Aktienkurs einbrechen ließ.

Zuletzt hat sich der Kurs wieder erholt – beflügelt von der vagen Aussicht, dass die Ölpest für BP wohl doch nicht so teuer wird wie befürchtet, und angeheizt von den angeblichen Übernahmeplänen der Konkurrenten. BP hat jetzt einen Börsenwert von 140 Milliarden Dollar – 65 Prozent mehr als im Juli vergangenen Jahres, als der Konzern gegen die Ölkatastrophe kämpfte. Aber immer noch weniger als vor dem Unglück: Da hatte BP zeitweise eine Marktkapitalisierung von 170 Milliarden Dollar.

Der britische Ölmulti bleibt anfällig für eine Übernahme, weil er für die Konkurrenz immer noch vergleichsweise billig ist. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis fällt bei BP – bezogen auf den für 2011 erwarteten Überschuss – mit 6,5 niedrig aus. Bei Shell liegt diese Kennziffer bei knapp neun. Es gibt aber weiterhin einen Faktor, der potenzielle Käufer abschreckt: Was genau an Kosten für die Ölpest auf BP zukommt, kann bis heute keiner sagen. Gerichtsstreitigkeiten über Strafen und Schadensersatz können sich über Jahre hinziehen. Solange die finale Rechnung aussteht, werden wohl Konkurrenten wie Shell und Exxon die Finger von BP lassen – egal wie billig das Unternehmen zu haben ist.

Dadurch gewinnt BP Zeit, den Börsenwert weiter zu steigern. Die nächste Gelegenheit dazu hat BP-Chef Bob Dudley Anfang Februar. Bei der Vorlage der Jahreszahlen will er seine neue Strategie vorstellen, um an alte, erfolgreiche Zeiten anzuknüpfen und gleichzeitig die Sicherheitsstandards im Konzern zu erhöhen.

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