Inside Dell
Besser, aber noch lange nicht gut

Der PC-Hersteller verdient wieder ordentlich. Doch der Umbau muss weitergehen, denn noch ist der Konzern zu krisenanfällig.
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Viele Firmen spendieren ihren Mitarbeitern in diesen Tagen neue Rechner. Weil sie in der Krise brutal auf die Bremse getreten sind, ist der Ersatzbedarf jetzt riesig. Die alten PCs müssen raus, weil die Wartung zu teuer wird. Davon profitiert der Computerbauer Dell. Die Geschäfte laufen prächtig, der Gewinn hat sich im abgelaufenen Quartal (zum 29. Oktober) auf 822 Mio. Dollar mehr als verdoppelt.

Die positiven Zahlen, die Firmengründer Michael Dell Ende vergangener Woche vorgelegt hat, sind aber nur die eine, die glänzende Seite der Medaille. Die andere zeigt tiefe Kratzer. Dell hat das 1984 von ihm gegründete Unternehmen zwar in den letzten Jahren kräftig umgebaut. Noch immer hängt aber Wohl und Wehe viel zu stark am schwankungsanfälligen Firmenkundengeschäft mit PCs, Notebooks und Servern. Die stabilere und margenträchtige Servicesparte steht nur für zwölf Prozent vom Umsatz. Noch schlimmer: An den Privatkunden erlöst Dell keinen Cent Gewinn, obwohl sie für fast ein Fünftel des letzten Quartalsumsatzes von gut 15 Mrd. Dollar stehen.

Die Gefahr ist groß, dass Dell in der nächsten Krise wieder abstürzt. Konkurrenten wie IBM oder Hewlett-Packard mit größeren Dienstleistungssparten und bedeutenderem Softwaregeschäft haben den Konjunktureinbruch wesentlich besser überstanden.

Dazu kommt, dass Dell in Wachstumssegmenten wie Smartphones und Tablet-PCs hinterherhinkt. Erst vergangene Woche warf der Konzern deshalb den Chef der Mobilsparte raus.

Michael Dell bleibt nichts anderes übrig, als weiter auf die Tube zu drücken. Einerseits muss er seine Leute zu Höchstleistungen antreiben, um endlich Konkurrenzprodukte zu iPad und iPhone auf den Markt zu bringen. Andererseits kommt er um Zukäufe nicht herum, denn nur so kann er sich das nötige Know-how in Bereichen wie den IT-Dienstleistungen besorgen. Doch auch das ist schwierig: Im Sommer hat ihm HP eine wichtige Akquisition einfach vor der Nase weggeschnappt.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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