Inside Ferrovial
Die Spanier proben den Befreiungsschlag

Beteiligungsverkäufe verbessern die Bilanz. Und die bessere Optik beflügelt dann prompt den Kurs.
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Es ist immer das Gleiche: Wenn bekannt wird, dass der spanische Infrastrukturkonzern Ferrovial Beteiligungen verkaufen will oder muss, dann schießt der Kurs in die Höhe. So auch jetzt wieder, als ein britisches Berufungsgericht entschied, Ferrovial müsse zwei weitere der insgesamt noch sechs Flughäfen seiner Tochter BAA verkaufen.

Die Spanier hatten vergeblich Berufung gegen eine entsprechende Entscheidung der britischen Wettbewerbskommission eingelegt. Ferrovial wollte nicht noch einmal ein so schlechtes Geschäft machen wie mit Gatwick Airport. Den hatten sie, ebenfalls auf Geheiß der Aufsicht, für 1,5 Mrd. Pfund an den Finanzinvestor Global Infrastructure Partners (GIP) verkauft.

Doch die Anleger sehen die Sache anders. Für sie ist wichtig, dass Ferrovial seine hohen Schulden verringert. Die Nettoverschuldung ist fast zehnmal so hoch wie der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda).

Jetzt suchen die Spanier den Befreiungsschlag. Ferrovial bestätigte am Freitag, dass es rund zehn Prozent des Flughafenbetreibers BAA zum Verkauf stellt. Dafür gibt es zwar nach Schätzung der Analysten nur etwa 300 Mio. Euro. Wichtiger aber ist, dass Ferrovial nach dem Verkauf von zehn Prozent weniger als die Hälfte der BAA-Anteile halten wird. Damit müssen die 15 Mrd. Euro Schulden von BAA, die Ferrovial seiner britischen Tochter 2006 zur Finanzierung der Übernahme aufbürdete, nicht mehr vollständig in den Bilanzen der Gruppe konsolidiert werden. Kein Wunder, dass die Ferrovial-Aktie wieder deutlich zulegte.

Das Gleiche hatte der Konzern Anfang Oktober schon bei der Autobahn 407 ETR in Toronto praktiziert. Auch da verkaufte Ferrovial zehn Prozent, und die Beteiligung sank auf unter die Hälfte. Auch da gab es ein Kursfeuerwerk.

Zwar schlagen sich fortan auch die Gewinne dieser Töchter nicht mehr voll in der Bilanz nieder. Trotzdem dürfte die Nettoverschuldung nach Berechnung von Credit Suisse auf das 6,3-Fache des Ebitda sinken: optisch eine erhebliche Verbesserung.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin

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