Inside Fresenius
Schönheitsfehler in der Erfolgsbilanz

Durchstarten oder verkaufen: Fresenius muss seine Biotechstrategie überdenken. Sonst werden die Investoren ungeduldig. Ein Kommentar von Maike Telgheder
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Vor eineinhalb Jahren herrschte Aufbruchstimmung in Sachen Biotechnologie beim Gesundheitskonzern Fresenius. Im Februar 2009 hatte das Unternehmen für den gemeinsam mit der Firma Trion Pharma entwickelten Antikörper Removab die Zulassung in Europa erhalten. Das war der erste Antikörper überhaupt, der zur Behandlung von Bauchwassersucht bei Krebspatienten zugelassen war. Und - was noch wichtiger ist - Removab ist das erste deutsche Biotechmedikament, das in Deutschland vom Labor bis zur Marktreife gebracht wurde.

Doch von dem Pioniergeist ist nicht mehr viel übrig. Seit dem Marktstart im vergangenen Mai gehen die Umsätze alles andere als steil nach oben: Im ersten Halbjahr dieses Jahres hat Removab mit 1,4 Mio. Euro sogar weniger Umsatz eingebracht als in den sieben Monaten seit Markteinführung 2009 (1,6 Mio. Euro). Nun ist das Mittel ein Nischenmedikament, dessen Umsatzpotenzial bei rund 35 000 Patienten in Europa begrenzt ist. Bei Therapiekosten von 11 500 Euro pro Patient ist ein ordentlicher zweistelliger Millionenumsatz pro Jahr dennoch kein unrealistisches Ziel.

Das Fresenius-Management selbst hat sich zuletzt unzufrieden mit der Biotechsparte gezeigt, blieb aber eine konkrete Antwort, wie man die Vermarktung verbessern will, bisher schuldig. Man brauche noch eine Weile, die Markteinführung sei schwierig, sagte Fresenius-Chef Ulf Schneider unlängst in einem Interview.

Kein Wunder also, dass bei Investoren immer öfter die Frage auftaucht, ob Fresenius die Sparte besser verkaufen sollte, an einen Partner mit mehr Biotechkompetenz, als sie der Gesundheitskonzern hat.

Immerhin schlägt die Biotechsparte bei Fresenius auch in diesem Jahr wieder mit 35 bis 40 Mio. Euro operativem Verlust zu Buche. Das kann der Konzern, der wohl 15,5 Mrd. Euro Umsatz und mehr als 2,3 Mrd. Euro Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) machen wird, zwar verkraften. Ein Schönheitsfehler in der Erfolgsbilanz ist es dennoch. Durchstarten oder verkaufen - Fresenius muss bei seiner Biotechsparte bald Ergebnisse zeigen.

telgheder@handelsblatt.com

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