Inside Haniel
Kein Ausverkauf bei Metro

Die Großaktionäre halten an ihren Papieren fest – aus Prinzip, und weil der Kurs dafür spricht.
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Das Dementi fiel ruhrgebietstypisch derb aus: „Wir wären mit dem Hammer behauen, jetzt Metro-Anteile zu verkaufen“, hieß es gestern bei der Duisburger Familien-Holding Haniel. Zuvor war die Metro-Aktie abgestürzt, denn die Anleger befürchten, dass die Industriellenfamilie Haniel Anteile auf den Markt werfen könnte. Doch das ist eher unwahrscheinlich – jedenfalls, dass sie es in großem Stil tut.

Die Haniel-Gruppe hält 823 Beteiligungen. Doch drei börsennotierte Konzerne – Metro, der Pharmahändler Celesio und der Büromöbelversender Takkt – machen rund 80 Prozent des Werts des Portfolios aus. Haniel-Chef Jürgen Kluge hat deshalb die Devise ausgegeben: Das Risiko muss breiter gestreut werden. Schon im April kündigte er im Handelsblatt-Interview an: Der Anteil der börsennotierten Beteiligungen soll mittelfristig auf unter 50 Prozent sinken. Das präsentierte eine Arbeitsgruppe im September erneut vor 200 Führungskräften von Haniel. Ein Chart aus der Präsentation kam gestern an die Öffentlichkeit – und beunruhigte die Metro-Anleger.

Dabei zeigt das Schaubild die Vision für das Jahr 2020. Weise will Wachstum über neue Beteiligungen und eine breitere regionale Aufstellung. Dazu muss Haniel die Aktien seiner drei großen Beteiligungen nicht verkaufen. Ihr Anteil sinkt, wenn neue Firmen überproportional wachsen. Allerdings könnten die Beteiligungen so weit zurückgefahren werden, wie es strategisch sinnvoll ist. So reicht etwa bei Celesio die Mehrheit, heute sind es 54,6 Prozent.

Bei Metro hat Haniel seine Stimmrechte mit der Familie Schmidt-Ruthenbeck vereint. Zusammen halten sie 50,1 Prozent. Der Pakt sieht Einstimmigkeit vor, wäre mit Frist zu kündigen. Aber: Aufgestockt hat Haniel 2007 bei einem Metro-Kurs von rund 60 Euro. Würde die Familie heute verkaufen, ergäbe das pro Aktie fünf Euro Verlust. Lieber hofft sie auf das angestoßene Sanierungsprogramm bei Metro. Laufende Immobilienverkäufe von Metro-Häusern spülen zudem Geld in Haniels Kassen – Geld, das für Zukäufe in neue Bereiche zur Verfügung steht. Auch ohne große Aktienverkäufe.

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