Inside Pfizer
Marktführer im Niedergang

Zukäufe lassen Pfizer wachsen. Sie verderben jedoch Renditen und Innovationskraft.
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Der amerikanische Pharmakonzern Pfizer hat in der zurückliegenden Dekade beachtlich expandiert – und ist aus Sicht seiner langfristigen Investoren trotzdem eine Katastrophe. Denn während sich Umsatz und Betriebsgewinn verdoppelten, hat sich die Marktkapitalisierung seit Mitte 2000 in etwa halbiert und der Börsenkurs um fast zwei Drittel vermindert.

Auch an den gestern vorgelegten Quartalszahlen lässt sich ablesen, warum sich hinter dem Aufstieg von Pfizer im Grunde ein Niedergang verbirgt. Vordergründig sieht das alles zwar gar nicht so schlecht aus. Für das dritte Quartal weist der US-Konzern immerhin fast 40 Prozent Umsatzplus und eine Steigerung des bereinigten operativen Gewinns um ein Viertel aus.

Doch zum einen beruht das Wachstum bei Pfizer schon seit Jahren praktisch ausschließlich auf Akquisitionen, in diesem Jahr auf der 68 Mrd. Dollar teuren Übernahme von Wyeth.

Ohne den Effekt der Wyeth-Integration wären die Umsätze von Pfizer im dritten Quartal deutlich geschrumpft. Die nächsten Jahre werden in dieser Hinsicht noch schwieriger. Denn Pfizer wird für weitere Bestseller den Patentschutz verlieren, darunter auch für das Spitzenprodukt, den Cholesterinsenker Lipitor. Und der Nachschub ist mager: Nur sieben neue Wirksubstanzen hat der Konzern im letzten Jahrzehnt durch die US-Zulassung gebracht – bei rund 70 Mrd. Dollar Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Pfizer ist ein Musterbeispiel dafür, wie Strategien, die auf Übernahmen setzen, die Innovationskraft zerstören.

Zum anderen ist auch die Ertragsentwicklung letztlich nicht so golden, wie es die bereinigten Zahlen andeuten. Denn in dieser Rechnung werden die enormen Belastungen für Integration, Restrukturierung und diverse andere Positionen immer wieder ausgeklammert – ebenso wie der wachsende Kapitaleinsatz. Unterm Strich, also wirklich nach allen Kosten, hat sich in den letzten Jahren bei Pfizer nicht viel bewegt, während sich der Eigenkapitaleinsatz als Folge der diversen Übernahmen um den Faktor fünf vergrößerte. Kein Wunder, dass die Investoren nicht jubeln.

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