Inside RTL Group
Computerspiele statt Fernsehshows

Der TV-Konzern kauft Firmen, um sich für die digitale Zukunft zu wappnen - und das ist die richtige Strategie.
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In Istanbul traf sich kürzlich die Führungsspitze der RTL Group. Die Stimmung der Truppe am Bosporus um CEO Gerhard Zeiler war ausgezeichnet. Das lag nicht nur an dem mit Goldstaub versehenen Cappuccino, sondern an den gut laufenden Geschäften. RTL hat die Werbekrise abgehakt.

Nur die RTL-Tochter Fremantle Media, einer der größten Produktionskonzerne der Welt, kämpft noch. Die Kündigung von Aufträgen und das Zusammenstreichen von Etats durch die Sender kommen bei dem TV-Produzenten zeitverzögert an. In den ersten sechs Monaten hielt sich Fremantle – in Deutschland mit Ufa, Teamworx und Grundy präsent – noch ganz gut. Die Erlöse stiegen leicht von 570 auf 596 Mio. Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) legte von 87 auf 90 Mio. Euro zu. Doch die Perspektiven des Produzenten von Shows wie „Deutschland sucht den Superstar“ und „X-Factor“ sind durchwachsen. Intern gilt es als ausgemacht, dass Fremantle 2010 einen Umsatzrückgang erleben wird.

Die schwierige Situation im Produktionsmarkt bietet aber die Chance für günstige Übernahmen. Die Preise sind im Keller. Fremantle nutzt die Möglichkeit, auf Einkaufstour zu gehen. So erwarb die in 22 Ländern aktive RTL-Tochter kürzlich die Mehrheit an der kanadischen Gesellschaft Ludia. Diese Firma stellt Videospiele für Computer und Mobiltelefone her.

Zuvor hat sich Fremantle den Marketingspezialisten Radical Media einverleibt. Das US-Unternehmen ist eines der weltweit führenden audiovisuellen Dienstleister für Markenartikler. Zu den Kunden zählen Microsoft, Apple, IBM und Honda.

Mit den Käufen wappnet sich Fremantle für die digitale Zukunft. Der Konzern, der jährlich 10 000 Programmstunden herstellt, weitet so seinen Einfluss aus. Neue Geschäftsmodelle und neue Kundenkreise außerhalb des herkömmlichen TV-Bereichs werden so möglich. Wenn Fremantle diesen Weg konsequent weitergeht, wird die nächste Werbekrise nicht mehr an den Grundfesten des RTL-Konzerns rütteln.

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