Inside Standard Chartered Das Ende des Booms ist in Sicht

Die britische Großbank Standard Chartered verkündet ihren erfolgsverwöhnten Investoren, dass sie in diesem Jahr wieder einmal einen Rekordgewinn erzielen wird, und trotzdem fällt der Kurs um mehr als drei Prozent.
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Michael Maisch ist Korrespondent in London. Quelle: Pablo Castagnola

Michael Maisch ist Korrespondent in London.

(Foto: Pablo Castagnola)

Während der Kurs von Chartered zurückgeht, legen andere Bankaktien deutlich zu. Kann man es denn den Aktionären nie recht machen? Vor Steuern erwarten die Analysten in diesem Jahr ein Ergebnis von 6,13 Milliarden Dollar. Das wären noch einmal 20 Prozent mehr als im letzten Jahr. Sollten die Prognosen eintreffen, hätte sich das Vorsteuerergebnis seit 2005 trotz Finanzkrise mehr als verdoppelt.

Hinter dem Erfolg steckt eine ebenso einfache wie effektive Strategie: Das Hauptquartier von Standard Chartered liegt zwar mitten in der Londoner City, seinen Gewinn verdient das Institut aber zu 85 Prozent in den wachstumsstarken Schwellenländern, vor allem in Asien. Doch genau das ist der Grund für das neue Misstrauen der Aktionäre. Denn Standard Chartered ist bei weitem nicht die einzige Bank, die ihr Heil in den Emerging Markets sucht. Quasi alle Großen der Finanzbranche setzen auf diese Regionen, weil die westlichen Heimatmärkte unter den Spätfolgen der Finanzkrise leiden und kaum noch wachsen.

Aber wenn alle durch dieselbe Tür wollen, wird es eng. Das bekommt jetzt auch Standard Chartered zu spüren: Die Bank räumte ein, ohne genaue Zahlen zu nennen, dass die Kosten schneller steigen als die Einnahmen. Schuld daran ist vor allem der teure Wettbewerb um talentierte Mitarbeiter. 30 Prozent der Standard-Chartered-Banker sitzen in Indien und China, im Zentrum des Booms.

In den vergangenen fünf Jahren hat Standard Chartered seine Belegschaft auf 85 000 verdoppelt, 2010 sind noch einmal 7 000 Mitarbeiter dazugekommen. Aber nicht nur steigende Personalkosten drücken die Margen. Der mächtige Konkurrent HSBC, dessen Schwergewicht ebenfalls in den Schwellenländern liegt, warnte bereits im Herbst vor einem ruinösen Preiswettbewerb im Asien-Geschäft: Der Goldrausch in den Emerging Markets geht zu Ende.

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