Inside Thyssen-Krupp: Die Krux mit den Jahresverträgen

Inside Thyssen-Krupp
Die Krux mit den Jahresverträgen

Der größte deutsche Stahlhersteller buttert im Geschäft mit den Automobilbauern zu. Deshalb will er jetzt kräftig die Preise anheben, wie die Wettbewerber auch. Ein Kommentar von Markus Hennes.
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Ist Thyssen-Krupp noch ganz bei Trost? Der größte deutsche Stahlproduzent hat für Januar 2011 eine satte Preiserhöhung angekündigt. Um bis zu 50 Prozent sollen sich die Verkaufspreise für Warmband-Stahl, das betrifft hauptsächlich Bleche für die Autobauer, verteuern.

Auf den ersten Blick mutet der Schritt an wie ein Beispiel für dreiste Abzocke. Nutzt Thyssen-Krupp die aktuelle Absatzbelebung bei den deutschen Autoherstellern, um sich an einem wichtigen Kunden schadlos zu halten?

Nein, denn dem Ruhrkonzern, aber auch seinen Wettbewerben Salzgitter und Arcelor-Mittal bleibt im Grunde gar keine andere Wahl, als bei den Preisen so kräftig hinzulangen. Tun sie es nicht, verdienen sie zumindest bei den Stahllieferungen an die Autobranche kein oder kaum Geld.

Denn für die vielen Kunden der Stahlkocher gelten unterschiedliche Preise. Kleine Abnehmer wie Händler oder Weiterverarbeiter zahlen Tagespreise, Großkunden wie Volkswagen oder Daimler schließen dagegen Jahresverträge ab. Die Preise werden zwölf Monate im Voraus festgeschrieben. Steigen die Tagespreise danach weiter, freut sich der Autobauer; fallen sie, freut sich der Stahlhersteller.

So betrachtet, haben die Autohersteller beim Preispoker im Januar 2010 ein gutes Geschäft gemacht. Denn der Basispreis von rund 400 Euro pro Tonne für Stahllieferungen in diesem Jahr liegt mittlerweile um 200 Euro oder 50 Prozent unter dem Tagespreis für Stahl. An den Spotmärkten hat sich die drastische Verteuerung der beiden wichtigsten Rohstoffe für die Stahlerzeugung - Eisenerz und Kokskohle - längst ausgewirkt. In den Jahresverträgen hingegen noch nicht.

Zugespitzt formuliert: Die Stahlhersteller subventionieren im Moment die Autokonzerne. Bei den niedrigen Preisen der Jahresverträge verlieren sie wertvolle Deckungsbeiträge. Und das wiederum schmälert die Rendite.

Für Thyssen-Krupp ist ein kräftiger Nachschlag bei der anstehenden Preisrunde im Januar besonders wichtig. Rund 60 Prozent der Jahresproduktion werden über Jahresverträge verkauft.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport

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