Inside UBS
Ein Rückschlag bei der Aufholjagd

Konzernchef Grübel hat den Abstand zur Konkurrenz nicht verkleinert. Sein neues Geschäfsmodell ist auch anfällig für Risiken.
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In den letzten Jahren hatte die UBS stets damit zu kämpfen, dass die Ergebnisse schlechter waren als die tatsächliche Lage. Trotz schmerzlicher Verluste hat die Schweizer Großbank nämlich immer noch ein hohes Ertragspotenzial. Im dritten Quartal ist es nun genau umgekehrt: Scheinbar gute Zahlen verdecken eine triste Geschäftslage.

So konnten die Eidgenossen nur deshalb die Gewinnerwartungen der Analysten übertreffen, weil sie eine Steuergutschrift von rund 800 Mio. Franken verbucht haben. Andernfalls wäre der Nettoprofit gegenüber dem Vorquartal um fast 70 Prozent abgestürzt. Das operative Ergebnis ist um 1,7 Mrd. Franken eingebrochen. Die UBS hat ähnlich wie die anderen Großbanken deutlich unter der Handelsflaute in den Sommermonaten gelitten. Die Investmentbank schreibt mit einem Minus von 400 Mio. Franken wieder rote Zahlen. Schuld daran sind vor allem die Einbrüche im Handel mit festverzinslichen Papieren und Devisen. „Wir haben in zu vielen Bereichen unsere Leistung nicht erbracht“, räumt Finanzvorstand John Cryan ein. Was er nicht sagt: Die UBS ist auch mit ihrem neuen, auf die Kundenaktivitäten ausgerichteten Geschäftsmodell anfällig für Marktschwankungen. Insbesondere da sich die Kosten nicht so schnell den sinkenden Einnahmen anpassen lassen.

Mehr Schein als Sein gibt es auch in der besonders stark gebeutelten Vermögensverwaltung. Zwar meldet die UBS erstmals seit zweieinhalb Jahren wieder einen Nettozufluss von Kundengeldern in Höhe von rund 1,2 Mrd. Franken. Doch das kleine Plus ist noch kein Sieg im Kampf um das verloren gegangene Vertrauen der Kunden. Außerhalb Asiens verliert die UBS weiterhin Vermögen. Hinzu kommt, dass die Bruttomarge erneut auf 0,89 Prozent abgestürzt ist und sich damit weit vom Zielwert von einem Prozent entfernt hat.

Lässt man die Kosmetik außer Acht, hat sich die UBS in einem zugegeben schwierigen Marktumfeld schlechter geschlagen als ihre Erzrivalin Credit Suisse. Das vierte Quartal soll zwar besser werden. Allein auf eine Markterholung sollte sich UBS-Chef Oswald Grübel jedoch nicht verlassen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

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