Inside Vimpelcom
Expansionsträume eines Oligarchen

Der russische Milliardär Michail Fridman treibt sein Mobilfunkunternehmen in eine Großübernahme. Doch Analysten sehen vor allem die Risiken.
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Michail Fridman ist ein Spieler – und liebt das Risiko. So gesehen ist der jüngste Mega-Deal des russischen Oligarchen nur logisch: Der Mobilfunkriese Vimpelcom, den der 56-Jährige aus dem Hintergrund steuert, will durch Milliardeninvestitionen zum globalen Anbieter werden.

Jetzt lebt der russische Oligarch seine vielfach kolportierten Expansionsträume vor: Von Naguib Sawiri, einem Selfmademan aus Ägypten, will er die in Rom angesiedelte Holding Weather Investments übernehmen. Vimpelcom, derzeit gerade einmal der zweitgrößte Mobilfunker am russischen Markt, würde damit schlagartig zur globalen Nummer fünf aufsteigen. Zusammen mit den Abonnenten großer Holding-Töchter wie Wind (Italien) und Orascom (Ägypten) hätte Vimpelcom statt bisher 89 Mio. rund 174 Mio. Abonnenten – und über Nacht mehr Kunden als Russland Einwohner.

Doch der Deal ist längst nicht in trockenen Tüchern. Zunächst müssen die Aktionäre von Vimpelcom der Übernahme zustimmen. Neben Fridmans Alfa-Bank ist das Norwegens Telekomkonzern Telenor, der gut 30 Prozent der stimmfähigen Anteile hält. Die teure Übernahme, die Vimpelcom nach Analystenschätzungen 6,5 Mrd. Dollar kosten wird, macht den Norwegern Bauchschmerzen: Sobald sich Fridman das Imperium von Sawiri einverleibt hat, wird Vimpelcom auf Schulden in Höhe von 24 Mrd. Dollar sitzen.

Das versetzt auch Anleger in Schrecken: Die Aktien von Vimpelcom gaben im New Yorker Handel zehn Prozent nach, seit der Deal am Montag bekannt wurde. Die Ratingagentur Moody's prüft eine Herabstufung der ohnehin bescheidenen Ba2-Bewertung des Moskauer Mobilfunkkonzerns.

Analysten sehen vor allem Risiken: Ob die Übernahme gelingt, hänge davon ab, zu welchen Bedingungen Vimpelcom den Merger finanzieren kann, meint Nadeschda Golubewa, Telekom-Analystin bei Unicredit Securities. Das Management unter dem Aufsichtsratsvorsitzenden Michail Fridman muss bis Jahresende neue Gläubiger finden: Bis Februar soll der riskante Deal über die Bühne gehen.

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