Inside Vodafone
Wohin mit dem Sammelsurium?

Was würde Chris Gent wohl dazu sagen? In sieben Jahren an der Vodafone-Spitze hat der Mann erobert und gekapert, expandiert und geräubert, er hat Beteiligungen gesammelt wie andere Leute Briefmarken, er hat ein globales Mobilfunkimperium aufgebaut.
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Was würde Chris Gent wohl dazu sagen? In sieben Jahren an der Vodafone-Spitze hat der Mann erobert und gekapert, expandiert und geräubert, er hat Beteiligungen gesammelt wie andere Leute Briefmarken, er hat ein globales Mobilfunkimperium aufgebaut. Fast 300 Milliarden Euro hat er ausgegeben. Und jetzt das: Unter seinen Nachfolgern schrumpf das Vodafone-Reich, es schrumpft beträchtlich. Vor einigen Jahren hat sich der Konzern aus Japan verabschiedet, jetzt der Rückzug aus China.

Vodafone hat seinen China-Mobile-Anteil für gut fünf Milliarden Euro abgestoßen und so seinen Einstiegspreis verdoppelt. Weitere Verkäufe werden folgen, so viel ist klar. Denn die Nach-Gent-Ära prägt vor allem eines: das Dauerfeuer der Investoren. Sie beklagen sinkende Gewinne in Kernländern, lahmendes Wachstum, eine unklare Strategie und einen niedrigen Aktienkurs. Die Vodafone-Manager wissen offenbar nicht so recht, was sie mit dem Sammelsurium anfangen sollen, das Gent hinterlassen hat.

Das gilt vor allem für die Beteiligung in den USA. Dort hält Vodafone 45 Prozent an dem Marktführer Verizon Wireless. Seit fünf Jahren bekommt Vodafone keine Dividende, weil der Mehrheitseigner Verizon Comminications das blockiert. Ihren Anteil erhöhen, um das Sagen zu haben, können die Briten auch nicht. Und mit einem Verkauf zögert Colao ebenfalls, weil hohe Steuerzahlungen drohen. Er will offenbar an Verizon festhalten - bis 2012. Dann will der US-Mobilfunker wieder eine Dividende ausschütten.

Doch so lange werden die Investoren bestimmt nicht Ruhe geben. Sie fordern eine klare Strategie, die dem Aktienkurs Auftrieb gibt, die die Rendite hebt. Um die Anteilseigner kurzfristig zu beruhigen, gibt es noch weitere Minderheitsbeteiligungen, etwa in Polen und in Frankreich, die Colao verkaufen und die Erlöse an die Aktionäre zurückgeben könnte. Der Vodafone-Chef würde sich damit etwas Zeit erkaufen. Er kommt aber nicht darum herum, das USA-Problem grundsätzlich zu lösen.

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