Insiderhandels
EADS macht sich verdächtig

Nach einem Untersuchungsbericht der französischen Aufsichtsbehörde müssen der frühere Chef sowie weitere Manager des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns für ihre umstrittenen EADS-Aktienverkäufe Ende 2006 bestraft werden. Bisher hat EADS die Handlungen seiner Angestellten immer verteidigt. Wenn der Konzern jetzt nicht damit aufhört, könnte sein Ruf Schaden nehmen.
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Es ist nicht leicht gegen EADS-Prinzipien zu argumentieren. Der Konzern vertritt den Standpunkt, dass jeder solange als unschuldig zu gelten hat, bis seine Schuld bewiesen ist. Aus diesem Grund steht das Unternehmen auch zu gegenwärtigen und ehemaligen Führungskräften, die von der französischen Börsenaufsicht Autorité des Marchés Financiers (AMF) verdächtigt werden, 2006 Insiderhandel betrieben zu haben. Aber nach Informationen, die aus einem Bericht an die französische Aufsichtsbehörde durchsickerten, empfiehlt der oberste Untersuchungsbeauftragte empfindliche Strafen für den ehemaligen Co-Vorstandsvorsitzenden Noël Forgeard und sechs weitere Mitarbeiter. EADS sollte also damit aufhören, seine Angestellten so hartnäckig zu verteidigen.

EADS scheint zu vergessen, dass das Unternehmen ein Industriekonzern und kein Anwaltsclub ist. Der heutige Vorstandschef Louis Gallois hat inzwischen Schritte unternommen, die verhindern sollen, dass Top-Manager in Zukunft noch einmal fragwürdige Handlungen begehen. Aktienoptionen hat er gleich ganz gestrichen. Aber auch er glaubt, für die Moral der Angestellten sei es besser, sich auf die Seite der Beschuldigten zu stellen. Das Gegenteil dürfte der Fall sein. Sich um jeden Preis auf die Seite der vermeintlich schwarzen Schafe zu stellen, könnte die Moral derjenigen Mitarbeiter negativ beeinflussen, deren Verhalten bisher über jeden Verdachtsmoment erhaben war.

Ursprünglich sollten von der AMF neben Forgeard weitere siebzehn Angestellte verhört werden. Alle standen unter dem Verdacht, in einer Zeit von ihren Optionsrechten Gebrauch gemacht und anschließend Aktien verkauft zu haben, als Mitarbeitern - nicht jedoch der Öffentlichkeit - Probleme mit dem Airbus bereits bekannt waren. Im Juni 2006, knapp drei Monate nach den Aktienverkäufen der Insider, informierte das Unternehmen die Öffentlichkeit über die Airbus-Schwierigkeiten. Am gleichen Tag verlor Airbus an der Börse ein Viertel seines Wertes.

Die Untersuchungen richteten sich auch gegen EADS-Aktionäre: die französische Mediengruppe Lagardere und den deutschen Daimler-Konzern. Beide sowie die meisten der beschuldigten Manager, darunter auch der frühere EADS-Co-CEO und heutige Airbus-Chef Tom Enders, konnten jedoch entlastet werden.

Die AMF muss nun entscheiden, welche Strafen Forgeard und seinen ehemaligen Kollegen auferlegt werden sollen. Ihr Urteil wird anschließend wohl mit allen Rechtsmitteln vor französischen Gerichten angefochten werden. Bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens könnten also noch einige Jahre ins Land gehen.

Natürlich kann EADS auf der Grundlage eines vorläufigen Berichts keine Konsequenzen ziehen. Aber klare Signale sowohl an die Angestellten als auch die Aktionäre wären schon angebracht, dass EADS mehr zu tun gedenkt, als das juristisch unbedingt Notwendige.

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