Interessenkonflikte
Die graue Drehtür von Washington zur Wall Street

Die schwammige Trennlinie zwischen Wall Street und Washington wird immer undurchsichtiger. Das zeigt die Geschichte von Charles Millard, dem ehemaligen Chef der US Pension Benefit Guaranty Corporation. Vor allem BlackRock und Goldman Sachs hoffierten ihn vielleicht zu eifrig, in der Hoffnung lukrative Vermögensverwaltungsmandate an Land zu ziehen.
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Der wiederum nahm ihre Hilfe - auch auf der Suche nach seinem nächsten Job nach der Trennung von PBGC - vielleicht zu leichtfertig an.

Im Mai kam die PBGC zu dem Schluss, dass Millard zu einer Zeit unangemessene Kontakte zu den beiden Unternehmen und auch JPMorgan unterhielt, als die Behörde darüber zu entscheiden hatte, wer ein Vermögensverwaltungsmandat von ihr erhalten sollte (die entsprechenden Verträge hat PBGC inzwischen widerrufen). Ob Millard nun rechtliche Grenzen überschritten hat oder nicht, in jedem Fall zeugt sein Verhalten von mangelndem Urteilsvermögen.

Andererseits kann man davon ausgehen, dass die Regierungsmannschaft von US-Präsident Bush ihn gerade deshalb für den Posten auserkor, damit er seinen Finanzmarkthintergrund und seine Kontakte zur Wall Street gewinnbringend einsetzt. Schließlich führt ein solches Hin und Her zu Informationsvorteilen für beide Seiten. Hier eine Grenze zu ziehen ist für jeden Staatsbediensteten schwierig.

Es ist nicht gerade hilfreich, dass Washington und Wall Street durch eine Drehtür verbunden sind. Die vielleicht aufschlussreichste E-Mail, die die New York Times in jüngster Zeit ans Tageslicht brachte, zeigt, dass Millard seine Kontakte offensichtlich nutzte, um in der Finanzwelt für sich selbst Werbung zu machen - im Vorgriff auf ein Ende seiner Beschäftigung bei PBGC. Noch hat er keine neue Stelle angetreten und sein alter Vertrag verbietet ihm vor Ablauf eines Jahres bei einem Unternehmen anzufangen, dass er als Regierungsangestellter selbst unter Vertrag genommen hat.

Alles in allem keine gerade erfreuliche Geschichte. Aber mit anderen Namen, in anderen Organisationen und in anderen Ländern werden sich ähnliche Wechselspiele zwischen Wirtschaft und Regierung überall und immer wieder finden lassen. In den USA und anderen Ländern gibt es Gesetze, die die schlimmsten Exzesse verhindern sollen. Aber selbst die besten Gesetze können sich nicht über die menschliche Natur hinwegsetzen oder ein gesundes Urteilsvermögen ersetzen.

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