Internet
Google beugt sich Murdoch

Nach der Drohung des Medienmoguls zur konkurrierenden Microsoft-Suchmaschine zu wechseln knickt Google ein. Verleger können den freien Zugang zu ihren Inhalten begrenzen. Auch wenn die Konzession Murdoch noch nicht weit genug geht ist sie ist ein Schritt in die richtige Richtung.
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Google beugt sich Rupert Murdoch oder macht zumindest Zugeständnisse. Der Medienmogul hatte gedroht, die Nachrichten seiner News Corporation nicht mehr über Google zugänglich zu machen, sondern stattdessen zum Rivalen Microsoft zu wechseln. Google wird es Verlegern darum jetzt gestatten, den freien Zugang zu ihren abopflichtigen Webseiten zu begrenzen. Die überraschende Konzession entspricht noch nicht ganz Murdochs Vorstellungen, ist aber ein Schritt in die richtige Richtung. Murdoch hatte geschworen, sich ab Mitte 2010 für Inhalte seiner Internetseiten bezahlen zu lassen.

Das neue Modell, das ab sofort in Kraft tritt, bedeutet, dass Internet-Nutzer über Google nicht mehr länger unbegrenzten Zugang zu Nachrichtenseiten erhalten, die anmeldepflichtig sind, wenn man sie direkt aufruft.

Verleger wie die Financial Times, die bereits ein kostenpflichtiges Abo-System eingeführt haben, haben nun die Möglichkeit, den freien Zugang auf fünf Beiträge pro Tag zu begrenzen und die Nutzer beim sechsten Klick auf eine Anmeldeseite umzuleiten.

Murdochs Drohgebärde scheint Google aus dem Konzept gebracht zu haben, warum jedoch genau, ist unklar. Die Suchmaschine kontrolliert 65 Prozent des Internetverkehrs und sorgt bei den Inhaltsanbietern für regen Interessentenverkehr sowie die Steigerung ihres Werbenutzens.

Wenn Murdoch sich also für seine Inhalte bezahlen lassen will und gleichzeitig droht, sich bei Google nicht mehr listen zu lassen - über die immerhin 15 Prozent der News Corp. Zugriffe erfolgen - dann dürfte das für den Verleger weitaus riskanter sein als für den Suchmaschinenanbieter.

Googles plötzliches Einknicken reflektiert vielleicht die Sorge darüber, das das Beispiel Schule machen und auch andere Verleger in großem Stil zu Microsoft abwandern könnten. Diese Gefahr besteht immer noch, da innerhalb der Branche der Unmut über die Verfügungsgewalt - Murdoch nennt es "Diebstahl" - wächst, die Informationsseiten über Inhalte haben, die oft mit hohem finanziellen Aufwand produziert werden.

Tatsächlich wird Googles Zugeständnis Murdoch kaum besänftigen. Die Nutzer des Google-Nachrichtensuchdienstes werden die Informationen, nach denen sie auf einer bestimmten Seite suchen, nach dem ersten Klick finden - die Möglichkeit, nach dem fünften Klick nur noch kostenpflichtigen Inhalt zur Verfügung zu stellen, ist also nicht allzu viel wert. Murdoch hat sich noch nicht dazu geäußert, wie er sich in Zukunft den Zugang zu Internet-Inhalten von News Corp. bezahlen lassen will, aber Google wird wohl noch mehr tun müssen, um seine Nachrichtenseiten weiter gefüllt zu halten.

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