Internet-Telefonie
Skype und Ebay: Endlich am Ziel?

Die Gründer von Skype wollen die Internet-Telefonie-Firma von Ebay zurückkaufen - unter dem Verkaufspreis. Das ist kein allzu verlockendes Angebot für Ebay. Doch Skype bindet Kapital und lenkt das Management ab. Ebay sollte verkaufen.
  • 0

In der unendlichen Geschichte um Ebay und Skype kommt es vielleicht doch bald zu einem Finale. Die Gründer des Anbieters von Internet-Telefoniediensten wollen die Firma von Ebay zurückkaufen - unter dem Verkaufspreis. Das mag wie eine bittere Pille erscheinen, die das Online-Auktionshaus da schlucken müsste. Aber da sich Skype schlecht in das Unternehmen einfügt, ist die Firma für das Ebay-Management zu einer Quelle der Ablenkung geworden. Ebay sollte sie jetzt verkaufen.

Es gehörte nicht gerade zu den Glanzleistungen der ehemaligen Chefin von Ebay, Meg Whitman, dass sie 2005 rund 3,1 Mrd. Dollar für Skype auf den Tisch gelegt hat. Nur zwei Jahre später musste das Auktionshaus den Wert des Bereichs um fast die Hälfte abschreiben.

Das bedeutet aber nicht, dass Skype auf ganzer Linie versagen würde. Der Dienst verfügt jetzt über mehr als 400 Millionen registrierter Nutzer. Auf ihn entfällt fast ein Zehntel aller internationalen Gesprächsminuten. Und er arbeitet profitabel. Seine Betriebsgewinnspannen liegen bei über zwanzig Prozent, was dazu beigetragen hat, dass Skype im vergangenen Jahr ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von rund 130 Mill. Dollar verbuchten konnte.

Leider hilft dies alles Ebay nicht viel weiter. Skype passt nicht zu den Kernbereichen der Online-Auktionen und Zahlungssysteme von Ebay. Und die Synergien, die Ebay beim Kauf von Skype vorschwebten - etwa Versteigerungen, die mit Live-Videoübertragungen gekoppelt werden sollten -, haben sich nie eingestellt.

Stattdessen bindet Skype Kapital und die Zeit des Managements, die beide besser eingesetzt werden könnten. So müsste dringend das stagnierende Auktionsgeschäft wiederbelebt werden, das Marktanteile an die Konkurrenten Amazon und Craigslist verloren hat. Und das Management sollte den eigentlichen Wachstumsmotor von Ebay ausbauen: den Online-Zahlungsdienst Paypal.

Es ist also gut möglich, dass das Potenzial von Skype außerhalb von Ebay größer ist. Das mag erklären, warum die Gründer des Telefonie-Unternehmens mit Beteiligungsgesellschaften über die Finanzierung einer Offerte über etwa zwei Mrd. Dollar verhandeln. Das wären 35 Prozent weniger als der Preis, zu dem sie damals verkauft hatten.

Es könnte für Ebay kurz peinlich werden, Skype zu einem solchen Preis zu verkaufen - auch wenn das Unternehmen dessen Wert bereits abgeschrieben hat. Und natürlich kann Ebay-Chef John Donahoe seine Vorgängerin Whitman für den ursprünglichen Kaufpreis verantwortlich machen. Was er ihr nicht anlasten könnte, wäre es, die Chance verpasst zu haben, einen ihrer größten Fehler wieder gerade zu biegen.

Kommentare zu " Internet-Telefonie: Skype und Ebay: Endlich am Ziel?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%