Internet-Unternehmen
Skye: Weg mit dem Krimskrams

Der Kauf von Skype durch Ebay war von Anfang an ein strategischer Fehler. Nun stößt das Online-Auktionshaus 65 Prozent an Skype zu einer besser als erwarteten Bewertung ab. Dies gibt Ebay die nötige Freiheit, sich auf wichtigere Angelegenheiten zu konzentrieren – etwa auf die Zukunft von Paypal und auf die vor Liquidität strotzende Bilanz.
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Der Kauf von Skype durch Ebay war von Anfang an ein überteuerter strategischer Fehler. Ebay entledigt sich nun mit dem Verkauf von 65 Prozent an der Internet-Telekomfirma zu einer höher als erwartet ausgefallenen Bewertung von 2,75 Mrd. Dollar von dieser irritierenden Ablenkung. Darüber hinaus ermöglicht es der Schritt dem Online-Auktionshaus, sich auf wichtigere Angelegenheiten zu konzentrieren - etwa darauf, was mit dem Bereich Paypal und mit der vor Liquidität strotzenden Bilanz geschehen soll.

Ursprünglich hatte Ebay gehofft, dass Skype den Informationsaustausch zwischen Käufern und Verkäufern per Telefon einfacher gestalten würde, wovon das Auktionsgeschäft profitieren hätte sollen. Das Management hatte sich zudem vorgestellt, dass die Kunden von Skype den Zahlungsservice Paypal nutzen würden. Stattdessen mussten sich die Verantwortlichen mit einem Geschäftsbereich herumschlagen, der in keinem Bezug zum Rest des Unternehmens stand. Ebay schrieb die Investition über 3,1 Mrd. Dollar schließlich um fast die Hälfte ab.

Der Verkauf eines Mehrheitsanteils von Skype an Silver Lake Partners und andere Investoren ist nicht nur mit weniger Ablenkung verbunden und schneller als eine Erstemission der Sparte. Die Veräußerung geht tatsächlich auch noch zu einem guten Preis über die Bühne. Skype wird zu einem Schwindel erregenden Vierfachen der für 2010 erwarteten Einnahmen bewertet. Und indem Ebay einen Anteil von 35 Prozent behält, kann sich das Unternehmen für den Fall absichern, dass das Wachstum und der Wert von Skype in die Höhe schießen.

Jetzt sollte sich Ebay-Chef John Donahoe auf zwei andere Angelegenheiten konzentrieren. Ebay hatte in seinen Büchern mittlerweile liquide Mittel über netto mehr als drei Mrd. Dollar angehäuft. Nun kommen weitere 1,9 Mrd. Dollar hinzu. Der Großteil dieses Geldbergs ist im Ausland angesiedelt, weshalb es problematisch ist, den Aktionären Cash zukommen zu lassen, ohne damit einen großen Schlag bei den Steuern zu provozieren. Ebay sollte seine Akquisitionspolitik genauer darlegen, um Bedenken abzuschwächen, das Unternehmen könnte die Mittel auf einer großen Einkaufstour verschwenden.

Außerdem sollte Donahue seine Aufräumarbeiten ausdehnen und ernsthaft über eine Ausgliederung von Paypal nachdenken. Der Zahlungsdienst leidet möglicherweise darunter, ein Teil von Ebay zu sein. Andere Firmen wie Amazon und Google könnten zögern, den Service eines Konkurrenten zu nutzen. Eine Abspaltung könnte das ohnehin schnelle Wachstum von Paypal weiter beflügeln. Das ist wichtig.

Selbst ohne eine Trennung geht Ebay davon aus, dass Paypal im Jahr 2011 Einnahmen von fünf Mrd. Dollar erreichen wird, wobei sich die Margen der Marke von zwanzig Prozent nähern sollen. Zieht man das Vielfache des Rivalen Visa vom Zwölffachen des Betriebsgewinns heran - was vor dem Hintergrund des schnelleren Wachstums von Paypal konservativ ist - dann wäre die Ebay-Sparte zwölf Mrd. Dollar wert. Damit würde der Kernbereich Marketplace zu lediglich dem Fünffachen des erwarteten Betriebsgewinns für 2011 gehandelt.

Donahoe hat Ebay mit Geschick von einem ererbten Problem befreit. Jetzt kann er sich zwei erfreulichen Herausforderungen stellen.

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