Investition in Afrika
Exxon: Start-Up in Ghana

Ölmulti Exxon will 4 Mrd. US-Dollar für eine Beteiligung am ghanaischen Offshore-Feld Jubilee zahlen. Ein Geschäft, das den jetzigen Beteiligungsinvestoren einen großen Zahltag verspricht, aber das Risiko für Ghana erhöht. Der geringe Einfluss, den der Deal auf Exxon hat, macht deutlich, vor welchen Herausforderungen der Ölkonzern steht.
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ExxonMobil öffnet das Portemonnaie - ein bisschen. Der Ölmulti will seine Reserven aufstocken und für einen Anteil an einem westafrikanischen Offshore-Feld 4 Milliarden US-Dollar zahlen. Das Geschäft verspricht den jetzigen Private-Equity-Investoren einen großen Zahltag und erhöht das Risiko für Ghana. Aber der geringe Einfluss, den der Deal auf Exxon hat, macht deutlich, vor welchen Herausforderungen der Ölkonzern steht, wenn er seine Öltanks auffüllen will

Bei dem erwarteten Preis werden die Beteiligungsgesellschaften Blackstone und Warburg Pincus, die den jetzigen Besitzer der Jubilee-Feld-Lizenzen Kosmos Energy stützten, das Vierfache ihres kombinierten Investmenteinsatzes erhalten.

Während Ghana, eine Säule der relativen Stabilität in Westafrika, sich schließlich mit einem der Big Boys der Branche auseinandersetzen muss - wodurch die politischen Risiken wachsen und die Loyalität des Landes gegenüber einem Öl-Regime auf die Probe gestellt wird, das ausländischen Partnern einen höheren Gewinnanteil als den meisten regionalen Beteiligten zukommen lässt.

Das Vorhaben fügt sich auch gut in Exxons Pläne. Das Unternehmen erwartet einen Anstieg der Ölförderung aus unkonventionellen Quellen, darunter auch Tiefseefelder wie Jubilee, von 30 Prozent seiner Gesamtproduktion im Jahr 2008 auf 40 Prozent im Jahr 2013. Exxon geht davon aus, dass Westafrika, Russland, der Nahe Osten und die Kaspische Region bis 2013 die Hälfte zur Produktion beisteuern werden. 2008 waren es 39 Prozent.

Aber das bevorstehende Geschäft hat noch keinen allzu großen Einfluss auf den US-Ölgiganten. Der Einkauf in Ghana bringt Exxon einen 23,5-Prozent-Anteil an einem Feld, das schätzungsweise 1,2 bis 1,8 Milliarden Barrel Öläquivalente enthält, von denen allerdings nur ein Teil förderbar sein werden. Im vergangenen Jahr produzierte Exxon rund 1,4 Milliarden Barrel Öläquivalente und fügte seinen gesicherten Reserven 1,5 Milliarden Barrel hinzu. Dadurch konnten nach Unternehmensangaben 103 Prozent der Produktion ersetzt werden.

Selbst unter großzügigen Annahmen braucht das Unternehmen alle paar Monate einen Deal in der Größenordnung von Jubilee, wenn es nur die Ressourcen ersetzen will, die es durch die Ölförderung abbaut. Und die Aufgabe, neue Ölreserven zu finden wird technisch, finanziell und politisch zu einer wachsenden Herausforderung.

Zum Glück verfügt Exxon über Barreserven in gigantischem Ausmaß von 15,5 Milliarden US-Dollar. Der Konzern dürfte jetzt nach Meinung von Beobachtern damit anfangen, größere Summen in ganze Unternehmen zu investieren, um seine Reserven noch deutlicher aufzustocken. Das Vorhaben in Ghana könnte der Anfang sein.

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