Investment-Pionier
Das Erfolgsrezept

Sir John Templeton war der Pionier für weltweit diversifizierte Investmentfonds und er war unter den Ersten, die in Japan investiert haben. Seine Renditen fielen vielleicht nicht so gut aus wie die von Warren Buffett, dem anderen Leuchtturm des Value-Ansatzes. Aber er hat auf den öffentlichen Märkten Geld gemacht und nicht mit privaten Deals. Und Sir John hat die breiten Indizes mit Leichtigkeit geschlagen.

Sir John Templeton ist am 8. Juli gestorben. Sir John war der Pionier weltweit diversifizierter Investmentfonds und er war einer der Ersten unter den US-Fonds, die sich in Japan engagierten. Seine Anlagerenditen waren vielleicht nicht so gut wie die von Warren Buffett, dem anderen Leuchtturm des Value-Ansatzes, bei dem sich der Investor aktiv auf die Suche nach Titeln von Unternehmen macht, die vom Markt anscheinend unterbewertet werden. Aber Templeton hat die Renditen auf den öffentlichen Märkten erzielt und nicht mit Hilfe enormer Geldsummen, die mittels privater Abschlüsse zum Einsatz kamen. Und die Renditen der Templeton-Investoren übertrafen die breiten Indizes mühelos.

Der Value-Ansatz von Templeton konzentrierte sich auf die Fundamentaldaten einer Firma und nicht so sehr auf technische Indikatoren. Seinen ersten großen Erfolg erzielte er, indem er sich systematisch nach Schlusslichtern umsah. Im Baisse-Jahr 1939 hatte er 10 000 Dollar in jede an der New Yorker Börse notierte Aktie, deren Kurs unter einem Dollar lag, gesteckt und diese dann 1943 für über 40 000 Dollar wieder verkauft.

Nachdem er 1954 den Templeton Growth Fund gegründet hatte, begann er in Japan zu investieren, weil dort das Kurs-/Gewinnverhältnis bei etwa dem Vierfachen lag gegenüber dem mehr als Zehnfachen in den USA. Er schwor dem Ansatz der "Asset Allocation", also der Verteilung des verfügbaren Kapitals auf verschiedene Anlageformen und Länder ab und platzierte auf dem Höhepunkt seines Engagements im Jahr 1970 über 60 Prozent seines Fonds in Japan.

Templeton verkaufte 1992 seine Fondsmanagementfirma für 913 Mill. Dollar. Im Nachhinein gesehen, war die Wahl des Zeitpunkts unglücklich, denn die Vermögenswerte seines Fonds und der Verkaufspreis wären sieben Jahre später, auf der Spitze der spekulativen Blase der neunziger Jahre, bei weitem höher ausgefallen. Seine eigene Investitionsrendite war vermutlich glänzend, schließlich ist er zum Milliardär geworden. Aber auch die Anteilsinhaber seines Templeton Growth Fund schnitten gut ab. Sie erhielten eine jährliche Rendite von 15 Prozent, während Templeton von 1954 bis 1992 den Fonds leitete. In der Zeit warf der S&P 500-Index weniger als zehn Prozent ab.

Nachdem Sir John die Leitung des Templeton Growth Fund abgegeben hatte, war es relativ uninteressant geworden, sich dort zu engagieren. Der Fonds hat mit knapper Not den Morgan Stanley EAFE-Index geschlagen. Und doch sind Templetons Methoden für diejenigen unter uns, die keine Milliardäre sind, leichter nachzuahmen als die von Buffett. Suche nach Werten und investiere am aggressivsten in Zeiten des wirtschaftlichen Abschwungs, wenn die Bewertungen am stärksten abweichen und Schnäppchen zu erzielen sind. Ein solcher Ansatz könnte sich in den kommenden Jahren als rentabel herausstellen.

In seinen späteren Lebensjahren hatte sich Templeton ganz der Wohltätigkeit verschrieben. Er gründete ein College in Oxford und eine Stiftung, "um die monetären Grundlagen für geistige Entdeckungen zu mehren". Die Queen hat ihn 1987 für sein Engagement zum Wohl der Allgemeinheit zum Ritter geschlagen. Dabei konnte Ihre Majestät vermutlich nicht ganz ermessen, wie schwierig es ist, mehr als 30 Jahre lang den S&P 500-Index jährlich um fünf Punkte zu übertreffen.

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