Investmentbanken
Bonuszahlungen: Die Kassen klingeln wieder

Kaum ist die öffentliche Empörung über Banker-Boni verklungen, kündigt sich schon eine Rückkehr der Mega-Belohnungen an. Das scheint widerwärtig, Proteste von Seiten der Steuerzahler und Gesetzgeber scheinen vorprogrammiert. Diesmal sollten die Banken jedoch besser vorbereitet sein.
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Viele Investmentbanken erwirtschafteten dank Schuldenhandel und Kapitalerhöhungen im ersten Jahresquartal immense Einkünfte und werden auch im Folgequartal gut davon leben. Ein Großteil dieser Gewinne entsteht durch die Deals zur Bekämpfung der selbst verursachten Bankenkrise. Doch so funktioniert das Investment-Karussell eben.

Nach 50-prozentigen Einkommensverlusten in 2008 ist Goldman Sachs derzeit auf dem besten Weg, mit dem Jahreseinkommen von 38 Mrd. Dollar in 2006 gleichzuziehen. JP Morgan brüstet sich mit der Rekordmarke von neun Prozent des europäischen Investment-Markts, Stand Ende Mai. Die Star-Broker erwarten sicherlich eine Belohnung für diese Resultate.

Zudem befreien sich die Banken von den Fesseln der Gesetzgeber. Zehn US-Banken zahlen bereits die vom Steuerzahler vorgestreckten Summen zurück, die sie und damit das gesamte Finanzwesen einst vor dem Untergang retteten. Auch beginnen sie damit, sich von der staatlich garantierten Liquidität zu emanzipieren. Stresstests sind bestanden, Finanzpolster aufgefüllt. Nun machen die Banken genau das, was von ihnen zum Wiedererlangen der Unabhängigkeit verlangt wurde, nur sicherer.

Noch - aber nicht mehr lange - fehlt in vielen Fällen eine Strategie, die Jahres-Boni auf mehrere Jahre zu verteilen, um zu verhindern, dass Banker oder Händler die Gewinne einstreichen und ihre Banken, sowie letztendlich den Steuerzahler, auf den Risiken sitzen lassen.

Die Banken werden zudem einen Weg finden, einzelne Boni zurückzuhalten, sobald die Lage brenzlig wird. Mehr Auszahlungen an niedrigere Hierarchie-Ebenen sollen in Aktien ergehen. Zwar warten die Bankchefs selbst noch, bevor sie größere Bonuszahlungen annehmen. Langfristige Belohnungs-Strategien würden die Rechtfertigung von legendären Boni von 10 Mio. Dollar für ihre Stars dennoch erleichtern.

Schon gibt es erste Proteste aus den Reihen der Politiker. Sie weisen zu Recht darauf hin, dass viele profitable Deals einzig durch staatliche Finanzhilfen, Garantien und Absicherungen entstanden sind. Doch die Behörden selbst hatten es den Bittstellern zu einfach gemacht. Die US-Behörden ließen sich ihr Liquiditäts-Gütesiegel mit gerade einmal 100 Basispunkten bezahlen.

Wenn die Banken ihre Schulden bei den Steuerzahlern beglichen, ihre Bilanzen in Ordnung gebracht und ihre Gehaltsstrukturen zur Zufriedenheit der Aufpasser überarbeitet haben, werden es die rücksichtslosen Geschäftemacher beim nächsten Mal schwerer haben.

Die Investoren sitzen dann am längeren Hebel. Sie hatten überhöhte Bonuszahlungen an Bankangestellte zu lange akzeptiert. Vielleicht ist es für die Behörden bereits zu spät, in Sachen Boni-Exzesse die moralische Keule zu schwingen. Wenn sich die Aktionäre beeilen, können sie aber noch handeln.

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